W ie achtlos, ja zerstörerisch gehen wir Menschen mit der Welt um, als hätten wir eine zweite! Das ist das Thema der Enzyklika von Papst Franziskus, dessen Titel "Laudato si" auf den Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi verweist. Franziskus sieht sich selbst als ein Geschöpf unter anderen, er preist "Schwester Wasser" und "Mutter Erde".
Doch wir Menschen haben uns, wie Papst Franziskus betont, von Anfang an von der Natur abgegrenzt und sie zu "Nützlichkeitszwecken" umgestaltet, ja ausgebeutet. Je weiter der technische Fortschritt voranschreitet, desto größer ist die Versuchung, in die Abläufe der Natur einzugreifen. Mit Blick auf die verschiedenen Klimakonferenzen, die den angerichteten Schaden begrenzen sollen, spricht der Papst von einer "Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen" - die internationale Politik unterwirft sich den Interessen und dem Diktat der Mächtigen. Der Lebensstil der Reichen, zu denen wir auf der Nordhälfte der Welt zweifellos gehören, führt zum Verschwinden der Regenwälder, zur Verschmutzung der Meere, zur Vermüllung der Städte. Wir verbrauchen und verschwenden die Güter der Erde, statt gut für das gemeinsame Haus zu sorgen, das wir mit den anderen Lebewesen bewohnen. So kommen wir selbst auch in den Sog des "Immer-mehr", "Immer-schneller", "Immer-besser".
Franziskus war es wichtig, sich zu öffnen für die Schönheit der Schöpfung und sie zu achten. Erkennen wir, dass die Würde der Schöpfung unantastbar ist, und handeln wir danach! Geben wir nicht vorschnell auf, weil wir meinen, nachhaltige Veränderungen seien unmöglich. Eine lebenswerte Zukunft für die Menschen aller Generationen und Kulturen sollte das Ziel sein, für Pflanzen, Tiere und jedes unserer Mitgeschöpfe, das einmalig und unentbehrlich ist, von Gott gewollt und geschätzt. Papst Franziskus zitiert in seinem Rundschreiben die Erd-Charta von 2000: "Lasst uns unsere Zeit so gestalten, dass man sich an sie erinnern wird als an eine Zeit, in der eine neue Ehrfurcht vor dem Leben erwachte, als eine Zeit, in der nachhaltige Entwicklung entschlossen auf den Weg gebracht wurde, als eine Zeit, in der das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden neuen Auftrieb bekam, und als eine Zeit der freudigen Feier des Lebens."
Jetzt ist sie da, die Zeit der Entscheidung für das Leben.

(Rudi Reinhart ist Gemeindereferent in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Zeil/Sand, "Am Weinstock Jesu".)