von unserem Redaktionsmitglied 
Alexander Löffler

Kreis Kronach — Wie denken heimische Banken über den Strafzins? Das haben wir Vertreter von Sparkasse und Raiffeisen-Volksbank gefragt.
Jürgen Möhrle, Vorstandmitglied der Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt, schließt einen Strafzins für Spareinlagen aus heutiger Sicht aus: "Aktuell ist das nicht zu befürchten." Allerdings könne er nicht sagen, wie sich die Dinge in der Zukunft entwickeln werden. "Die Frage ist auch immer, welche Zinsen wir bekommen", betont Möhrle und verweist darauf, dass die Bank derzeit 0,2 Prozent Zinsen zahlen müssen, lege sie Geld bei der Deutschen Bundesbank an.
Aktuell finanziere sich die Bank beispielsweise über die Vergabe von Krediten oder über festverzinsliche Wertpapiere. Um jedoch selbst mit Geld Gewinne erzielen zu können, sei die Bank auf langfristige Anlagen angewiesen.
In Aktien investiere die Raiffeisenbank wiederum nicht - zu spekulativ: "Wir legen so sicher wie nur irgend möglich an." Für Privatanleger seien Aktien aber durchaus eine Option, wenngleich die Raiffeisen-Volksbank trotz der derzeit guten Bedingungen einen Run bei den Privatanlegern nicht verspürt habe. Generell müsse der Anleger bei Aktien immer bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen, was manche nicht wollen. Was die richtige Anlage ist, müsse von Fall zu Fall und damit individuell entschieden werden. "Eine Familie mit zwei Kindern hat andere Anforderungen als ein 18-Jähriger", erklärt Möhrle. Eine Streuung des Kapitals sei aber immer zu empfehlen. Und auch Immobilien vor allem in Form von selbst genutztem Wohnraum seien bei dem derzeitigen Zinsniveau eine hervorragende Geldanlage, die im Alter unabhängig mache. Grundsätzlich müsse sich aber der Sparer über eines im Klaren sein: "Wenn ich heute sicher anlegen will, verliere ich Geld, weil die Inflation höher ist als das, was ich an Zinsen bekomme."
Kerstin Emrich, Pressesprecherin der Sparkasse Kulmbach- Kronach, stimmt diesbezüglich zu und befürchtet, dass sich die Situation durch ein weiteres Anhalten der Niedrigzinsphase noch zuspitzen wird. "Wir nutzen daher das persönliche Beratungsgespräch, um unseren Kunden Wege aus der Realzinsfalle aufzuzeigen." Solange die Verzinsung aber noch positiv ist, schätzt Kerstin Emrich die Gefahr als niedrig ein, dass Anleger ihr Geld lieber in den Sparstrumpf stecken als es zu einer Bank zu tragen. Für die Sparkasse würde es im Übrigen kein Problem darstellen, sollten gleich mehrere Kunden größere Beträge anlegen wollen. Allerdings verdeutlicht die Pressesprecherin, dass die Sparkasse ebenso wie die Raiffeisen-Volksbank Geld bezahlen muss, will sie selbst bei der EZB Geld anlegen. Dennoch funktioniere nach wie vor die klassische Form, das von Kunden angelegte Geld in Form von Krediten wieder in der Region auszureichen. Und außerdem: "Die Kreditinstitute haben immer noch andere Möglichkeiten, ihr Geld, das sie nicht mit Krediten ausgeben, sicher anzulegen, beispielsweise in Bundesanleihen oder Pfandbriefen, um so Negativzinsen zu vermeiden." Generell sieht die Pressesprecherin die Wahrscheinlichkeit eines Strafzinses durch die Sparkasse aus derzeitiger Sicht sehr gering ein. Eine solche Entscheidung kann übrigens jede Sparkasse für sich selbst treffen.