Die Verabschiedung des Haushaltsplans durch den Marktgemeinderat war in den letzten Jahren stets von einer sorgenvollen Diskussion in der Stimmungslage Moll begleitet. Diesmal war es anders: Der 35-Millionen-Etat wurde nach drei Wortmeldungen einstimmig gebilligt, Hirschaids Finanzen stehen heuer überraschend unter einem guten Stern.
Ausschlaggebend ist eine "erhebliche Steuernachzahlung des größten Gewerbesteuerzahlers am Platz für die Jahre 2005 bis 2008", hatte der Kämmerer Christian Kropfelder zu berichten. Somit steigt das Gewerbesteueraufkommen gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Millionen auf 4,9 Millionen Euro. Hinzu kommt die Erhöhung der staatlichen Schlüsselzuweisung um 1,5 auf 2,07 Millionen Euro und die Verringerung der Kreisumlage um rund 900 000 auf 4,24 Millionen Euro. Sie ist der größte Posten auf der Ausgabenseite.
Und noch ein Millionenbetrag spiegelt die momentan günstige Finanzlage der Marktgemeinde: Es können 2,154 Millionen Euro den Rücklagen zugeführt werden. Das Guthaben werde allerdings schon 2017 wieder zur Deckung von Ausgaben benötigt, beugt der Kämmerer vor.
Und so sah der Marktgemeinderat auch davon ab, schnell mal die Sparbremse zu lockern oder in die Vollen zu greifen und sich was Außertourliches zu leisten. Die Steuerhebesätze wurden bei 360 Prozent belassen.
Der Verwaltungshaushalt hat ein Volumen von 25,5 Millionen Euro. Es steigt gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent. Zur wichtigsten Stütze der Gemeindefinanzen hat sich der Anteil an der Einkommensteuer der Gemeindebürger entwickelt: Weil fast alle mehr Einkommen versteuern, "regnet" es auch 6,5 Millionen Euro in die Gemeindekasse, 400 000 mehr als voriges Jahr.
Im Verwaltungshaushalt ergibt sich ein Überschuss von 4,57 Millionen Euro: Er dient zur Finanzierung des Vermögenshaushalts. Dieser dehnt sich im Vergleich zu 2015 um 25 Prozent auf 9,4 Millionen Euro aus.
Der Kinderreichtum der familienfreundlichen Marktgemeinde spiegelt sich auch im Haushalt und zwar durch hohe Ausgaben für die Sach-/Personal- und Betriebskosten der Kindergärten: Bei 4,3 Millionen Euro Ausgaben und 2,23 Millionen Einnahmen aus Gebühren und Zuschüsse verbleibt ein Defizit von gut zwei Millionen Euro. Für die Schulen in Hirschaid, Sassanfahrt und Hallerndorf müssen 1,35 Millionen Euro aufgewendet werden.
Insgesamt bewegen sich die Kosten für den Unterhalt und den Betrieb der gemeindlichen Liegenschaften weiterhin auf hohem Niveau, stellt Kämmerer Kropfelder fest.
Das Defizit des Erlebnisbads Frankenlagune steigt auf etwa 1,5 Millionen Euro, die Dreifachsporthalle Regnitzarena schlägt mit 646 000 Euro zu Buche. Die Gebühren müssten regelmäßig erhöht werden, damit die Verluste nicht aus dem Ruder laufen, meint der Kämmerer. Außerdem stellt er die "Notwendigkeit der großen Zahl von Liegenschaften" in Frage und rät den Kommunalpolitikern, die freiwilligen Leistungen zu prüfen, um sie auf ein vertretbares Niveau zu bringen.
Defizitär sind nach wie vor die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Den Einnahmen von jeweils knapp einer Million Euro stehen Ausgaben von 1,2 und 1,2 Millionen Euro gegenüber.
Im Vermögenshaushalt rechnet Kropfelder mit einem Erlös von 1,16 Millionen Euro aus dem Verkauf von Bau- und Gewerbegrundstücken, 1,74 Millionen Euro Herstellungsbeiträgen für Erschließungsmaßnahmen und 1,2 Millionen Euro Zuschüssen zu Investitionsmaßnahmen. In Straßenbau und Platzgestaltung sollen 1,8 Millionen Euro investiert werden. Mit 1,35 Millionen Euro wird die Abwasserbeseitigung verbessert und knapp 900 000 Euro dienen der Verbesserung der Wasserversorgung. Neue Feuerwehrfahrzeuge werden für 357 000 Euro angeschafft und die Schulen werden mit einem Aufwand von 319 000 Euro saniert.
Bei alledem sind 607 200 Euro zur Tilgung von Schulden eingeplant. Ins laufende Haushaltsjahr ging die Marktgemeinde mit 6,7 Millionen Euro Schulden. Der Kämmerer prognostiziert für die Jahre 2017 und 2018 jeweils eine freie Finanzspanne von rund 2,5 Millionen Euro. Investitionen müssten sich in diesem Rahmen bewegen, um eine weitere Verschuldung zu vermeiden.
Bürgermeister Klaus Homann hatte dem nichts hinzuzufügen, der Marktgemeinderat applaudierte dem Finanzverwalter. SPD-Fraktionssprecher Josef Haas kommentierte: "Bemerkenswert, beeindruckend!" FW-Sprecher Gerd Porzky stellte nur die bange Frage, was denn passiere, wenn der ICE-Ausbau die Gemeinde zu plötzlichen Investitionen in Millionenhöhe zwinge. Die Antwort blieb der Bürgermeister schuldig.


Bahnfragen

Er sieht die Stunde Hirschaids ohnehin erst gekommen, wenn der Planfeststellungsbescheid ergangen und justiziabel ist. Homann hält eine Beteiligung in Höhe von drei Millionen Euro an Kreuzungen oder Bahnhofsverlegung für denkbar. Doch müssten dazu noch Vereinbarungen mit der Bahn getroffen werden.
Zum Streckenausbau fiel Haas mal wieder die Forderung ein, grundsätzlich mit rechtlichen Schritten gegen das Projekt vorzugehen. Homann sagte dazu ein knappes "Nein!" Hirschaid brauche den Ausbau schon allein, um endlich Schallschutzmaßnahmen entlang der Bahnstrecke zu bekommen.