Rainer Glissnik

Keiner der Gekommenen hatte es bereut, sich auf etwas Neues und doch Bekanntes einzulassen: Sich in Geschichten verlieren können. Wer schon etwas älter war, erinnerte sich vielleicht spontan an die Zeit, als es nur zwei Fernsehsender gab und Durbridge-Krimis die Straßen menschenleer fegten. So in etwa war die Atmosphäre im evangelischen Gemeindehaus während der Vorträge.
Die Kronacherin Ilona Graf, die mit ihrer Familie und Freunden maßgeblich alles vorbereitet hatte, eröffnete den Abend mit einer Erzählung von einem Mann, der nach dem ewigen Leben suchte und dieses Geheimnis bei einem Weisen fand.
Seine Botschaft: "Keinen Alkohol trinken, kein Fleisch und keinen Zucker essen. Du darfst nicht mehr zum Schützenfest gehen und auch keine Frauen mehr lieben. Und keine Geschichten mehr hören." Der Mann fragte: "Dann werde ich ewig leben?" "Naja", antwortete der Weise, "dann wird es dir zumindest ewig vorkommen."
Die Geschichte eines großen, aber launischen, eitlen und tyrannischen Königs mit schlechtem Berater erzählte Jutta Gromes (Schäftersheim).
Von einem, der immer nur Pech hatte, erzählte Ilona Graf. Auf der Suche nach dem Glück übersah der Pechvogel, dass er unterwegs immer wieder seinem Glück begegnet war, er aber meinte, immer weiter suchen zu müssen. Den Lebenslauf seiner Mutter zeigte Peter August Kessler (München).
Ulrike Hoppe-Heim (München) fragte: "Sind Sie wunschlos glücklich?" So oft sei sie einst unendlich traurig, unglücklich, voller unerfüllter Wünsche geplagt gewesen. Wie sehr war sie von den Romanheldinnen in schnulzigen Geschichten entfernt?
Plötzlich begegnete sie auf einer Parkbank einem alten Mann, der ihr drei Wünsche verkündete. Sie wünschte ihn zum Teufel - und plötzlich war er weg. Für alle Fälle, wünschte sie ihn dann doch wieder zurück. Lädiert erschien er wieder neben ihr, doch sie hatte nur noch einen Wunsch übrig. Die schönsten Beine der Welt, ein flottes Auto, viel Geld? Schließlich hob sie sich den letzten Wunsch für den Tag auf, an dem sie wieder in Traurigkeit versinken würde. Doch seitdem sei ihr dies nie mehr passiert und sie habe den Wunsch noch immer übrig.


Spenden für die Gemeinde

"Wir freuen uns sehr, dass Ilona Graf dieses Experiment gewagt hat, zu einem Erzählkunstabend einzuladen", freute sich Dekanin Dorothea Richter, die sich ebenso wie Pfarrer Martin Gundermannn dieses Ereignis nicht entgehen ließ. "Die Resonanz gibt ihr Recht. Es war eine ganz atemberaubende Stille. Die Leute haben intensiv zugehört." Am Schluss zeigten sich die Zuhörer großzügig bei Spenden für das neue Gemeindehaus.