Friederike Stark

Die Tür ist noch nicht ganz geöffnet, schon hört man 25 Kinderstimmen rufen: "Deutschland vor, noch ein Tor!" Die Kinder des Kindergartens St. Michael in Zeil sind in Feierlaune.
Die Tische sind mit Deutschland-Fahnen geschmückt, die Mädels tragen schwarz-rot-goldene Haarbänder, fast alle Kinder haben Trikots an oder die Nationalfarben ins Gesicht gemalt. "Wir haben mit den Kindern schon Fahnen, Hüte und Rasseln in den Deutschlandfarben gebastelt", sagt Susanne Bös-Naumann, die Leiterin des Kindergartens.


Fußball aus Kindersicht

Die Bären, die Spatzen, die Elefanten und die Mäuse - alle Gruppen sind im EM-Fieber. Auch der sechsjährige Filip Antczak aus Ziegelanger, der als einziger ein Polen-Trikot trägt. Deswegen ist seine Freude auch etwas gedämpft. "Ich bin Polen-Fan", sagt er mit trauriger Stimme, nur um dann Schulter zuckend zu sagen: "Aber jetzt halte ich eben zu den Deutschen."
Sein Lieblingsspieler ist eigentlich - wie kann es anders sein - Robert Lewandowski. "Aber der Schweinsteiger ist auch gut", sagt der Sechsjährige versöhnlich. Und dann wird es richtig laut. Die Experten plappern aufgeregt durcheinander: "Ich finde den Müller gut." "Ich auch. Und den Götze. Und den Neuer" "Ja, ja. Und auch den Löw."


Public Viewing bei den Kleinsten

Fast alle haben sie auch schon ein Deutschland-Spiel sehen dürfen. "Ich war beim Göller", ruft Marie in die Gruppe. "Ich war auch beim Public Viewing. Wir haben uns doch gesehen", schreit ein anderes Mädchen in die Runde.
Das Spiel gegen Italien ist für die Kinder natürlich auch ein Thema. Selbst wenn sie sich am Anfang alle nicht ganz einig sind, wie denn der Gegner vom Samstagsspiel noch gleich heißt. "Doch, doch, ich weiß es", ruft einer der Jungs mit hochgestrecktem Zeigefinger: "Gegen Egalien."
Und wie recht so ein Kindergartenkind haben kann: Tatsächlich kann uns Italien bei der Euro nun ganz egal sein.