Das Herzogenauracher Original Fritz Spieß hat nicht nur mehr als vier Jahrzehnte in der Schuhindustrie gearbeitet, die Schuhstadt und ihre Geschichte sind zu seinem Hobby geworden. Seit Jahren sammelt er Schuhe aus Herzogenauracher Fabriken, die schon lange nicht mehr existieren. Nun hat er eine Auswahl seiner Schätze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die kleine, aber feine Schau ist während der kommenden vier Wochen im Foyer des Rathauses zu sehen, teilt Irene Lederer mit, die Leiterin des Stadtmuseums und des Stadtarchivs.
Der Querschnitt beginnt mit Schlappen und Tappen, mit denen die Entwicklung zur Schuhstadt ihren Anfang nahm. Wenig später wurde die Produktionspalette erweitert, so dass in der Ausstellung Straßenschuhe von Blendinger und Bauer (BUB) ebenso wenig fehlen wie Damen-Schnallenschuhe der Firma Georg Ruhmann. Die aufstrebende Sportschuh-Metropole wird durch ein seltenes Paar Rennschuhe mit Dornen aus den 1930er Jahren repräsentiert, gefertigt in der Schuhfabrik der Gebrüder Dassler. Daneben sind Ballett- und Gymnastikschuhe der Firma Bernhard Bär aus den 1950er Jahren vertreten, die in den Anfangsjahren auch für Puma produzierte.


Zu Hause "geschustert"

Fritz Spieß, Jahrgang 1930, hat bereits vor einigen Jahren ein gut recherchiertes Buch über die Schuhfertigung in der Aurachstadt veröffentlicht. Ein Interesse, dass seine Frau Reta Spieß mit ihm teilt. Neben der Arbeit mit Haus und Kindern war sie jahrzehntelang als Heimarbeiterin in der Schuhindustrie tätig. Sie erinnert sich, dass früher in vielen Häusern der Aurachstadt "geschustert" wurde. Fritz Spieß selbst war zunächst dreizehn Jahre bei der Schuhfabrik Blendinger und Bauer, ehe er zu Puma wechselte, wo er als Oberlederzuschneider arbeitete, und zeitweise auch als Betriebsrat wirkte. So kommt es auch, dass Puma-Schuhe einen Schwerpunkt seiner Sammlung bilden. Zu sehen sind auch Muster von den unterschiedlichsten Ledersorten, die er bei seiner Arbeit über die Jahre hinweg gesammelt hat.
Aber auch die vielen anderen, vor allem kleinen Schuhfabriken haben es ihm angetan, in seinem Buch "Die Schuhfabriken in Herzogenaurach" sind sie alle vertreten. Noch heute kann es als das Standardwerk zur Thematik gelten. Doch sein Wunschziel ist ein groß angelegtes Schuhstadtbuch, das der Geschichte Herzogenaurachs als Schuhmetropole gerecht wird: "Hätte ich gewusst, dass es mit den Schuhfabriken so schnell zu Ende geht, hätte ich viel mehr gesammelt und vor allem dokumentiert und viele Fotos gemacht." Nichtsdestotrotz: Seine Sammlung ist stadtgeschichtlich von großer Bedeutung. Vielleicht landet sie ja eines Tages im Stadtmuseum, das ihn bei der Gestaltung seiner Sonderschau unterstützt hat. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 24. April zu den Öffnungszeiten des Rathauses. Der Eintritt ist frei. red