Sandra Hackenberg

Wer Freitagnachmittag durch Bischwind gefahren ist, hat vielleicht den Geruch von gebackenem Brot bemerkt, der sich durch die Straßen zog. Am Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr haben sich Familien aus dem Ort getroffen, um zusammen Brot und Pizza zu backen. Das Backen hat Petra Grell vom Gartenbauverein Bischwind schon immer Freude bereitet. Seit über zehn Jahren kümmert sich die 46-Jährige um das leibliche Wohl der Besucher auf der örtlichen Kirchweih, indem sie Pizza backt. Den großen Steinofen im Herzen von Bischwind hat sie schon oft benutzt. "Wenn wir eine große Familienfeier haben, backen wir in diesem Ofen", erklärte sie.


Acht Brotlaibe

Auch heute soll die Familie nicht zu kurz kommen. Alleine acht Laibe Brotteig von jeweils 1700 bis 1800 Gramm hat Petra Grell für Freitag vorbereitet. Insgesamt 30 Brote sollten in dem 1927 erbauten Steinofen, der mit Holz geheizt wird, gleichzeitig gebacken werden. "Dabei müssen die Brote immer wieder getauscht werden, damit sie gleichmäßig backen", sagte Petra Grell, während sie schon dabei ist, den Teig für die Pizza zu kneten.
Beim Backen kommt es vor allem auf die Vorbereitung an. Der Teig für das Brot, das je nach Geschmack mit Sauerteig, Roggenmehl und Gewürzen geknetet wird, muss mindestens zwölf Stunden ruhen, bevor er weiterverarbeitet werden kann. Nachdem Petra Grell den Backraum geputzt und den Ofen aus feuerfestem Schamott auf Vordermann gebracht hat, wurde am Abend zuvor der Ofen angeheizt. Als das Thermometer 250 Grad angezeigt hat, wurden die rohen Laibe in die Röhre gegeben.
Den historischen Ofen kennt Petra Grell inzwischen wie ihren eigenen zu Hause. "Die richtige Temperatur erkenne ich auch daran, dass die Decke im Ofen weiß wird." Alle paar Minuten öffnet Petra Grell die Ofenklappe trotzdem und wirft einen prüfenden Blick in das Innere. "Jeder Backvorgang braucht je nach Ladung unterschiedlich lange", erklärte sie. Insgesamt drei Mann haben den Ofen mit seiner heißen Ware die ganze Zeit im Auge behalten. Nach einer dreiviertel Stunde können die Dorfbewohner, die zur besseren Wiedererkennung ihre Initialen in den Teig geritzt haben, die fertigen Brote wieder abholen. Viele haben die dampfenden Laibe gleich aufgeschnitten und probiert.


Pizza und Zwiebelkuchen

Als nächstes waren Pizza und Zwiebelkuchen der Reihe. "Die brauchen nicht so lange und kommen mit der Nachwärme aus", weiß Petra Grell.
Während sie Pizzateig knetet, übernimmt Udo Jahn die Aufsicht über den Ofen. Auch der Hobbybäcker nutzt den Dorfofen schon seit geraumer Zeit. "Es ist eine andere Erfahrung, mit so einem alten Ofen zu backen, macht aber auch Spaß", versichert er. Das Brot kommt bei Familie und Freunden gut an. "Die meisten Brote verschenken wir", sagte Udo Jahn. Abends haben sich alle Beteiligten noch einmal am Dorfofen getroffen, um zusammen die selbstgemachte Pizza zu essen.


Wissen weitergeben

Petra Grell könnte sich gut vorstellen, dass man sich öfter zum Backen trifft. "Das Wissen um die Tradition, wie unsere Großeltern ohne Strom gebacken haben, sollten wir an unsere Kinder weitergeben", sagte sie. Einer Sache konnten sich die Bischwinder in jedem Fall sicher sein: dass sie an diesem Tag das frischeste Brot hatten.