von unserer Mitarbeiterin 
christiane Reuther

Knetzgau — Seit eineinhalb Monaten wohnt Zaherm Sallati in Knetzgau. Aus Aleppo in Syriens Norden stammt der junge Mann, der in Knetzgau Asyl gefunden hat. Dem Flüchtling gefällt es hier sehr gut und er fühlt sich wohl, wie er freundlich lächelnd bestätigt. Gemeinsam mit zwölf anderen syrischen Männern ist der 32-Jährige in Knetzgau untergebracht. Beim Willkommenscafé im Pfarrsaal durften der junge Mann und weitere Flüchtlinge ihre Freude mit der Bevölkerung teilen.
Beste Stimmung mit vielen fröhlichen Gesichtern herrschte am Montagabend im Knetzgauer Pfarrsaal. Dazu trugen nicht nur die leckeren Köstlichkeiten aus den Herkunftsländern der Asylbewerber bei, sondern auch intensive Gespräche in entspannter Atmosphäre. An die 130 Gäste waren der Einladung des Freundeskreises Asyl gefolgt, der sich als offene Gruppe dem Bündnis für Familie und Senioren der politischen Gemeinde Knetzgau angeschlossen hat.
Es sind Schicksale, die hinter den Asylbewerbern stehen. Sie haben oftmals eine lange Odyssee hinter sich gebracht. Wie Zaherm Sallati, der in seiner Heimatstadt in der Tourismusbranche gearbeitet hatte. Von Syrien aus ist er mit seinem Neffen Ghaith zunächst mit dem Flugzeug mit Zwischenstation im Libanon in Istanbul in der Türkei gelandet. Von dort aus folgte ein langer Fußmarsch, der sich 21 Tage lang hingezogen hatte. Er kam über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich schließlich nach Deutschland. Auch wenn Zaherm Sallati begeisterter Marathonläufer ist, war die Flucht äußerst strapaziös.
In Ungarn wurden die beiden Flüchtlinge von der Polizei geschnappt und eingesperrt. Der Neffe wurde sogar gezwungen, einen Fingerabdruck zu hinterlassen. Zaherm Sallati konnte dies umgehen, was für ihn heute bedeutet, dass er seine Anerkennung in den Händen hält. Denn hätte er seinen Fingerabdruck hinterlassen, würde er wie einer der Knetzgauer Bewohner in Unsicherheit leben, abgeschoben zu werden. Zaherm Sallati verbreitet Zuversicht, denn er ist angekommen am ersten Etappenziel einer langen Reise. Nun ist er auf der Suche nach einer Wohnung für sich und drei andere Asylbewerber, die ebenfalls anerkannt sind, und sucht dann im nächsten Schritt eine Stelle in der Tourismusbranche oder als Elektriker.
Das Willkommenscafé sollte vor allem dazu dienen, Vorurteile abzubauen, wie Bürgermeister Stefan Paulus bekräftigt. Da die Konflikte um Asylbewerber immer mehr zunehmen, sei man seitens Kommune und Bündnis bestrebt, die Bürger von Anfang an zu informieren. So solle der Begegnungsabend Anlass bieten, ein Stück vom Glück zu teilen. Denn nicht nur Zuflucht gewähren, sondern auch das Gefühl vermitteln, herzlich willkommen zu sein, dafür setze sich eine große Anzahl von Helfern vom Freundeskreis Asyl ein, denen ein ganz besonderer Dank von Stefan Paulus galt.
Nachdem die Rechtsanwältin Katharina Panitz einen Vortrag über das Leben in Syrien und den anderen Herkunftsländern der Flüchtlinge gehalten hatte, gaben die Mitglieder des Freundeskreises einen aktuellen Bericht zu den Bewohnern ab, die in zwei Häusern in Knetzgau untergebracht sind. Das Haus I am Rathaus mit sechs Bewohnern wird von Dagmar Schnös und Matthias Lewin als Paten betreut.
Unterstützt von Doro Krieger halten sie regelmäßigen Kontakt zu ihren Schützlingen und helfen bei allen Alltagsfragen. Diese sind oftmals banale Sachen, wie Matthias Lewin berichtete. Etwa einen Artikel bei "ebay" ersteigern, was für die Asylbewerber, die nur über ein Taschengeld und über kein eigenes Bankkonto verfügen, problematisch werde. Deshalb ist es für Lewin Verpflichtung und Freude zu helfen, unabhängig von der Herkunft und dem Schicksal der Flüchtlinge. Denn stets werde er mit offenen Armen und einem Lächeln freudestrahlend empfangen, schildert er.
Auch wenn die Verständigung oftmals mit Händen und Füßen erfolgt, wie eine 89-jährige Nachbarin berichtet, sei das Verhältnis zu den jungen Männern sehr herzlich. Als "gute Kerle" bezeichnete Gudrun Jäger ihre Schützlinge. Gemeinsam mit Manfred Vogt aus Unterschwappach hat sie die Patenschaft für Haus II übernommen. Hier leben in der Wohnung am alten Weg sieben Flüchtlinge, vier davon anerkannt, zu denen Zaherm Sallati zählt.
Auch wenn man Anteilnahme am gegenseitigen Leben nehme und innige Beziehungen aufbaue, müsse man die Asylbewerber auch wieder ziehen lassen, sagte Wolfgang Aull aus Eschenau. "Ein Nest bieten und dann loslassen", das sei für ihn sehr wichtig. Unterstützung bot der Helferkreis in Eschenau, wo zwischenzeitlich fünf Frauen und ein Mann aus Afghanistan in den Räumen der evangelischen Kirche untergebracht waren.