Wenn Sigrun Wagner vor der Kirche in Rugendorf steht, dann strahlt sie. Denn Rugendorf wird für sie ab September eine neue Heimat werden - und zugleich ihre erste Pfarrstelle. Gemeinsam mit Tochter Friede zieht Sigrun Wagner ins Rugendorfer Pfarrhaus ein. Auch das ist neu. Denn bislang residierte der oder die Pfarrer/-in, der/die für Stadtsteinach und Rugendorf zuständig ist, immer in Stadtsteinach. "Aber das Pfarrhaus ist sehr schön. Auch meine Tochter freut sich schon riesig", sagt Sigrun Wagner. Sie wird alleine mit ihrer Tochter nach Rugendorf ziehen. "Ich bin geschieden und alleinerziehend", sagt sie und fügt sogleich hinzu: "Das passiert leider bei uns Pfarrern auch."
Geboren wurde Sigrun Wagner in Oberhausen, doch schon mit vier Jahren kam sie nach Kulmbach. Sie besuchte die Obere Schule, dann das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium. "Nach dem Abi habe ich in Bayreuth und in England Deutsch und Geografie studiert", erzählt die neue Pfarrerin. Sie hat ein Referendariat gemacht, hat auch fünf Jahre als Lehrerin gearbeitet. Sie war in der Türkei tätig, in Berlin und auch ein halbes Jahr am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium.
"Aber dann kam mir der Gedanke, dass ich Pfarrerin werden möchte. Ich war schon immer kirchlich aktiv, habe bei Ingo Hahn in der Kulmbacher Kantorei gesungen", erzählt Sigrun Wagner. "Und weil ich so gute Erfahrungen mit der Kirche gemacht habe, kam ich auf die Idee, mein Hobby zum Beruf zu machen und Pfarrerin zu werden", berichtet die neue Rugendorfer und Stadtsteinacher Pfarrerin.
Besonders gefällt ihr der Kontakt mit den Menschen. "In der Schule ist man auch viel mit Menschen zusammen, aber die Arbeit beschränkt sich auf eine Altersgruppe. Als Pfarrerin begleite ich die Menschen von der Wiege bis zur Bahre. Da ist jeder Tag anders, auch, wenn es natürlich auch in diesem Beruf Dinge gibt, die sich wiederholen", schwärmt sie.
Sigrun Wagner ist überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Sie ist Feuer und Flamme für den Glauben, ist gerne Pfarrerin und freut sich unbändig auf ihre erste Stelle. Als gelernte Lehrerin dürften ihr sicherlich der Konfirmanden- und Präparandenunterricht sowie der Religionsunterricht besonders leicht fallen, oder? "Nein, das ist ganz und gar nicht so. Im Gegenteil", gibt Sigrun Wagner zu. "Man soll keine Verkündigung betreiben im Religionsunterricht, Verkündigung gehört in die Kirche. Man soll auch keine Missionierung starten. Aber es ist auch nicht genug, nur die Fakten zu verkünden. Das ist nicht einfach", erklärt Wagner.
Sigrun Wagner freut sich sehr, dass sie in der Region eine Stelle gefunden hat. "Ich wollte gerne in der Gegend bleiben", sagt Sigrun Wagner. Besonders freut sie sich auf die Zusammenarbeit mit den Pfarrern Martin Fleischmann und Wolfgang Oertel. "Mir ist die Ökumene sehr wichtig. Ich hoffe, dass ich da auch Akzente setzen kann", sagt sie.
Sigrun Wagner ist übrigens sehr musikalisch. Sie spielt Violine und Kirchenorgel. Zur Entspannung liest sie gerne. "Vor allem historische Romane und geschichtliche Bücher mag ich", verrät sie über sich und hofft auf viele neue Kontakte in Rugendorf und in Stadtsteinach. Auch ihre Tochter Friede freut sich schon auf das neue Zuhause, in dem sie gleich zwei Kinderzimmer zur Verfügung haben wird.