von unserer Mitarbeiterin Janine Weber

Kronach — Ein 30-Jähriger aus dem Landkreis Kronach musste sich am gestrigen Mittwoch wegen Unterschlagung vor dem Kronacher Amtsgericht verantworten. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens tragen. Binnen einer Woche kann der Angeklagte Berufung einlegen.

Fahrrad gestohlen

Der Mann räumte ein, im Oktober 2014 ein fremdes Fahrrad, das auf einer Wiese am Kaulanger Parkplatz in Kronach gestanden hatte, an sich genommen zu haben. Der Zeitwert des Mountainbikes lag bei rund 300 Euro. Nachdem er sich das Fahrrad angeeignet hatte, ist er selbst circa zwei Wochen lang damit gefahren. Als er es dann einem Freund ausgeliehen hatte, wurde dieser mit dem gestohlenen Fahrrad von der Polizei erwischt.
Richter Gerold Seifert belehrte den Angeklagten, dass dieser das Fahrrad, wenn überhaupt, ins Fundbüro hätte fahren dürfen, anstatt es sich zu eigen zu machen.

Zahlreiche Vorstrafen

Als der Richter sich die Vorstrafen aus dem Bundeszentralregister ansah und dabei "auf eine Kiste voller Akten" stieß, nahm die Angelegenheit einen sehr ernsten Lauf. Der Angeklagte hatte sich schon einiges zu Schulden kommen lassen, darunter mehrfach Diebstahl. Zudem war er in der Vergangenheit bereits wegen Delikten, wie gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung oder versuchter sexueller Nötigung verurteilt worden. Seit dem Jahr 2004 habe der Angeklagte schon sechs Freiheitsstrafen abgesessen, betonte Staatsanwältin Susanne Heppel. Auch Richter Seifert fragte den Angeklagten: "Wann wollen Sie Ihrer kriminellen Karriere endlich einen anderen Verlauf geben?" Daraufhin sagte der Angeklagte, der sich selbst verteidigte, dass er auf der Suche nach einer festen Arbeit sei und inzwischen eine Freundin habe.

Freiheitsstrafe

Die Staatsanwältin hob in ihrem Plädoyer hervor, dass der 30-Jährige bereits vier Monate nach seiner letzten Haftentlassung den Fahrrad-Diebstahl begangen habe. Sie forderte, mit Verweis auf die zehn Voreintragungen im Bundeszentralregister, eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden sollten. Demgegenüber hoffte der Angeklagte auf eine Bewährungsstrafe und erklärte, dass er auf dem besten Weg sei, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.
Bei der Urteilsverkündung, warf Richter Gerold Seifert dem 30-Jährigen vor, keine Achtung vor fremdem Eigentum zu haben, da er den Fund bewusst unterschlagen habe. "Das Maß ist jetzt voll", fügte er hinzu. Zudem sei er kein Ersttäter, dem versehentlich etwas in der Tasche hängen geblieben sei. "Heute ist nicht der Tag der Bewährung", so der Richter. Verurteilt wurde der Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wird.
"Raus aus der JVA, rein in die JVA und so weiter" - mit diesen Worten beschrieb der Richter den bisherigen Lebenslauf des jungen Mannes. Für die Zukunft wünschte er ihm, dass er sein Leben in den Griff bekommt.