Professor Günter Dippold, oberfränkischer Bezirksheimatpfleger und bekennender Franke, war wieder einmal beim Heimatverein in Herzogenaurach zu Gast. Diesmal referierte er über drei bekannte Wallfahrten fränkischer Katholiken in Oberfranken, und zwar zum Marienheiligtum in Marienweiher nahe Kulmbach, zur heiligen Dreifaltigkeit nach Gößweinstein sowie zu den 14 Nothelfern nach Vierzehnheiligen.
Dem Wunschdenken oberfränkischer Christen entsprechend, soll die Wallfahrt nach Marienweiher, unweit von Marktleugast, schon von Bischof Otto dem Großen Anfang des 12. Jahrhunderts gestiftet worden sein. Urkundlich belegt ist sie jedoch erst seit etwa 1450; somit zählt sie trotzdem zu den ältesten Marienwallfahrten Deutschlands. Ziel der Wallfahrer in der Kirche "Mariä Heimsuchung" ist eine geschnitzte Marienstatue, die einen Fuhrmann aus Sachsen bei einem nächtlichen Überfall vor dem Tod bewahrt haben soll. Rund 8000 Gläubige wallen jährlich in die im 17. Jahrhundert barockisierte Basilika, die einst von Patres aus Kloster Langheim betreut worden ist.
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) blühte das Wallfahrtswesen im Fürstbistum Bamberg wieder auf. Jetzt rückte auch Gößweinstein mit seinem Gnadenbild, der Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit, in den Mittelpunkt der Pilger. 1662 zählte man hier 27 Wallfahrten aus allen Teilen des Bistums, einige Jahre später waren es über 4000 mit Gläubigen aus 60 Gemeinden. 4900 Messen wurden gelesen und rund 62 000 Mal wurde die Kommunion gereicht.
Heute kommen immer noch circa 170 Wallfahrergruppen nach Gößweinstein. Auf Veranlassung des mächtigsten Kurfürsten im Reich, Lothar Franz von Schönborn, dem Bauherrn des Herzogenauracher Schlosses, kamen die Kapuziner 1723 zur Betreuung der Wallfahrtskirche nach Gößweinstein.
Das heutige prachtvolle Gotteshaus wurde auf sein Drängen von Balthasar Neumann geschaffen.
Dieser bekannte Baumeister schuf auch mit der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen die "vollendetste Rokokokirche Frankens". Die Gründung der Basilika geht auf eine Legende zurück. Dem Schäfer des Klosters Langheim bei Lichtenfels sollen beim Hüten 14 in weiß und rot gekleidete Kinder erschienen sein mit dem Hinweis, sie seien die 14 Nothelfer. Diese sollen ihn aufgefordert haben, er solle sich für den Bau einer Wallfahrtskirche einsetzen. Nach der zweiten Erscheinung der gleichen Art und nachdem eine schwerkranke Magd, die man hierher gebracht hatte, genesen war, wurde eine Gnadenkapelle errichtet, die zwar im Bauernkrieg 1525 zerstört, aber wieder aufgebaut wurde. An ihrer Stelle erstand schließlich das heutige Kunstwerk Neumanns im 18. Jahrhundert in Frankens "Gottesgarten". Franziskaner-Patres betreuen heute noch die Wallfahrer und das Gotteshaus.
Günter Dippold ging in seinem Vortrag auch auf die Höhen und Tiefen im Wallfahrtswesen ein. Da waren die Verbote von Wallfahrten und Bittgängen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der sogenannten Säkularisation, und an manche Behinderungen durch die Machthaber im sog. Dritten Reich sowie Sicherheitsprobleme während des Weltkriegs. Wesentlichen Aufschwung erhielt das Wallfahrtswesen im 19. Jahrhundert durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes. Alle erwähnten Orte lagen in unmittelbarer Nähe von Bahnlinien. Auch durch die Motorisierung nach dem Krieg fanden Wallfahrer per Bus oder mit dem Auto Zugang zu den Gnadenstätten, wenngleich in den letzten Jahren auch Fußwallfahrten wiederbelebt worden sind. Klaus-Peter Gäbelein