Marion Krüger-Hundrup

Diese 830 Seiten zwischen den Buchdeckeln haben es in sich. Und zwar in ästhetischer wie inhaltlicher Hinsicht. Die etliche Kilogramm schwere Publikation ist zwar nicht gerade handlich. Doch die Lektüre bietet Vergnügen und Erkenntnisse pur. Diese Festschrift für Klaus Guth, von 1974 bis 2006 Bamberger Stadtheimatpfleger im Ehrenamt, ist ein fränkisches Lesebuch mit Pfiff.
"Religion, Kultur, Geschichte - Beiträge aus Geistes- und Kulturwissenschaften" titelt die Publikation, die anlässlich des 80. Geburtstages von Klaus Guth auf den öffentlichen Markt kommt. Der solchermaßen geehrte emeritierte Professor für Volkskunde und Historische Landeskunde an der hiesigen Universität nimmt es mit Humor, dass er sein Jubelfest schon im August 2014 feiern, das nunmehr fertiggestellte Geschenk langjähriger Wegbegleiter aber erst jetzt in Empfang nehmen konnte. "Ich freue mich darüber", strahlte der gebürtige Bamberger Guth.
Offiziell überreichte ihm das Herausgeberteam das opulente Werk im Hochzeitshaus am Kranen, der früheren Wirkungsstätte des Jubilars: Verleger Michael Imhof, Professorin Heidrun Alzheimer, Inhaberin des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie, und Ulrich Wirz vom Bezirk Oberfranken. "Bis heute prägt Klaus Guth mit seinem Engagement, insbesondere für das Themenfeld Landjudentum, unsere Arbeit am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie", erklärte die Professorin. Mit dieser Festschrift solle nicht nur dafür Dank gesagt, sondern auch eine Teilhabe der Bürger und Bürgerinnen am Wirken von Klaus Guth ermöglicht werden.
Die 34 Aufsätze von Kollegen und Kolleginnen aus Guths aktiver Zeit spiegeln die Weite des Faches Volkskunde und Historische Landeskunde wider, die er in Lehre und Forschung vertreten hat. Die Autoren und Autorinnen beleuchten Einzelschicksale in Adel und Bürgertum, Sozial- und Kulturgeschichte von Minderheiten, Frömmigkeits- und Alltagskultur, Volksliteratur, Wallfahrten.
Die meisten Essays widmen sich Bamberger oder überhaupt fränkischen Sujets. Da dürfen die Bamberger Diözesanheiligen Kaiser Heinrich II., Kaiserin Kunigunde, Bischof Otto und Sebaldus nicht fehlen. Auch nicht die Hausgärten in der Bamberger Gärtnerei, die Bamberger jüdische Gemeinde vor und nach 1803, Monsignore Matthäus Kirchner als Reichstagsabgeordneter und Ehrenbürger der Stadt Scheßlitz oder die Anfänge der Kleinkinderbetreuung im Landkreis Bamberg am Beispiel Oberhaid.
Doch das Themenspektrum bietet auch so zunächst verblüffende Kapitel wie "interkulturelle Volksfrömmigkeitsforschung am Beispiel afrikanischer Ahnenverehrung" oder "deutsche Bildungsarbeit in Afghanistan". Fast vertraut klingen da "die Anfänge der Nikolaus-Verehrung in den deutschen Bistümern" oder die "Kultspuren von Santiago de Compostela nach Franken".
Die Reihenfolge der einzelnen Kapitel mutet wohl willkürlich, ja ungeordnet an. Eine chronologische Abfolge oder eine andere Systematik sind nicht erkennbar. Was jedoch mitunter als Manko dieser Festschrift gelten könnte, hat sogar einen gewissen Charme: Das bunte Kaleidoskop drückt die Vielschichtigkeit im Schaffen und Leben von Klaus Guth aus. Gerade diese Farbigkeit verlockt zum Hinschauen, sprich Lesen.
Die Festschrift ist im Michael Imhof Verlag erschienen und ist im Buchhandel für 69 Euro erhältlich (ISBN 978-3-7319-0136-5).