von unserem Mitarbeiter Richard Sänger

Großenseebach — Ein gesunder Wald, gute Holzpreise, "Forstwirtschaft und Naturschutz - eine Vertrauenskrise?", waren die zentralen Themen bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Erlangen-Höchstadt.
Der zweite Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Walter Nussel (CSU) begrüßte im Namen des erkrankten Vorsitzenden Friedrich Brehm nahezu 200 Waldbesitzer sowie mit Stefan Nüßlein den Hauptreferenten des Abends. Der Leiter des Referats Forstpolitik und Umwelt am Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sprach über nachhaltige Forstwirtschaft und zum Thema Natura 2000 im Wald. Noch in diesem Jahr soll die neue Natura 2000-Verordnung in Kraft treten, um allen Forst- und Vogelschutzgebieten eine genaue Abgrenzung und konkretisierte Erhaltungsziele rechtsverbindlich festzusetzen.
Die EU hat beschlossen, ein Netz von Schutzgebieten zum Schutz gefährdeter wild lebender heimischer Pflanzen- und Tierarten sowie ihrer natürlichen Lebensräume zu errichten. Waldbesitzer allerdings befürchten möglicherweise noch stärkere Bewirtschaftungseinschränkungen, zumal auch Waldflächen stillgelegte werden sollen. Nüßlein und Nussel erläuterten, dass bei einer Stilllegung der Wald nicht mehr bewirtschaftet und auch nicht mehr bejagt werden dürfe.
Nach der Meinung Nüßleins sei eine nachhaltige Forstwirtschaft eine unabdingbare Voraussetzung für den Erhalt des Lebensraumes Wald und für seine künftige Leistungsfähigkeit. Dass sich im Zeichen des Klimawandels auch der Wald wandelt und auch schon immer gewandelt hat, bestätigte der Referent ebenso. Wandel findet immer statt, in allen Lebensbereichen, "ob wir wollen oder nicht". Und weiter: "Wir können Wandel nicht verhindern, aber wir können ihn gestalten. Das ist die Aufgabe der Politik."

Schützen ist wichtig

Dass sich die Landesregierung der Bedeutung dieser Worte für Strukturwandel, Klimawandel und gesellschaftlichen Wandel, für Energie- und Rohstoffwende sowie den Erhalt der biologischen Vielfalt bewusst ist, machte Nüßlein deutlich. "Bayern hat es geschafft, Waldnutzung in nachhaltiger Form und Erholung zusammenzubringen. Unsere bayerischen Waldbesitzer und Forstleute werden den Anforderungen gerecht."
Deswegen möchte Bayern den eingeschlagenen Weg zur Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt im Wald fortsetzen. So das Nutzen und Schützen der Wälder, gezielte Förderung der Biodiversität, keine pauschalen Stilllegungsquoten und Bayern setzt dabei auch auf die Freiwilligkeit und Kooperationsbereitschaft mit Waldbesitzern.
Finanzielle Förderung und Beratung der Waldbesitzer sowie begleitende forstliche Forschung und Entwicklung tragen ihren Teil dazu bei, die Risiken des zu erwartenden Klimawandels für die hiesigen Wälder abzumildern und so einen Beitrag zum vorbeugenden Klimaschutz zu leisten. Darüber hinaus spielt die Wertschöpfungskette Holz des Wirtschaftszweigs Forst und Holz eine tragende wirtschafts-, gesellschafts- und umweltpolitische Rolle im ländlichen Raum.
Thomas Speth, Geschäftsführer der WBV mit ihren 1138 Waldbesitzern sprach in seinem Geschäftsbericht von einem zufriedenen Geschäftsjahr. So war die Rohholznachfrage größer als das Angebot. Dies war aber, wie schon im Vorjahr der Witterung geschuldet, da mangels Frost Einschläge nicht bis zum Ende ausgeführt werden konnten.