Die Zahl der Studierenden an der Hochschule Coburg ist in den letzten zehn Jahren um 66 Prozent auf 5177 angewachsen. Einerseits sei diese Entwicklung äußerst erfreulich, andererseits seien damit auch Herausforderungen, insbesondere eine angemessene finanzielle Ausstattung für die Forschung verbunden. Dies machten Hochschulpräsident Michael Pötzl, Vizepräsident Eckardt Buchholz-Schuster sowie Kanzlerin Maria Knott-Lutze beim Besuch der vier oberfränkischen SPD-Landtagsabgeordneten Inge Aures, Klaus Adelt, Susann Biedefeld und Christoph Rabenstein deutlich.
Die vier Abgeordneten signalisierten im Gespräch ihre Unterstützung bei der Förderung der beiden bundesweit viel beachteten Projekte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) "Der Coburger Weg" und "Evelin" (Experimentelle Verbesserung des Lernens von Software Engineering) über die Projektlaufzeit 2021 hinaus.
Wie Pötzl erklärte, leisteten zurzeit über 40 Mitarbeiter in den beiden Projekten wichtige Forschungsarbeit. Die individuelle Förderung der Studierenden verbessere die Studienbedingungen und leiste einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung, führte Buchholz-Schuster aus. Das BMBF fördert das zukunftsorientierte Projekt über fünf Jahre mit einem Gesamtvolumen von 7,3 Millionen Euro (2011 bis 2016). Für "Evelin" beträgt die Förderung des Ministeriums 6,42 Millionen Euro (2012 bis 2016). Beide Projekte werden bis 2021 weiter gefördert.
Nachdem in Bayern rund ein Drittel der Studierenden an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften zu verzeichnen ist, die Forschungsmittel des Landes aber bei unter drei Prozent liegen, will sich Susann Biedefeld, die künftig im Haushaltsausschuss mitarbeitet, hier für eine Verbesserung einsetzen. Ihr überreichte Pötzl für den Doppelhaushalt 2017/2018 das Positionspapier des Verbands Hochschule Bayern. Um ihrem politischen Auftrag gerecht werden zu können, benötigten die Hochschulen eine angemessene Ausfinanzierung all ihrer gesetzlichen Aufgaben.
Des Weiteren soll auch ein Innovationsbudget für angewandte Forschung und Entwicklung zur freien Verfügung der Hochschulen eingeführt werden. Der Grund: Die Dienstaufgabe "Forschung" sei derzeit nur unzureichend über die staatliche Grundfinanzierung hinterlegt, so Pötzl.
Wie wichtig die Grundfinanzierung ist, zeigte Kanzlerin Knott-Lutze am Beispiel des erfolgreichen Instituts für Sensor- und Aktortechnik ("Isat"). Das Institut, gefördert aus dem ehemaligen Programm "Aufbruch Bayern", hat mittlerweile knapp 30 Wissenschaftler. Für Miete und Ausstattung müssten aber selbst eingeworbene Drittmittel eingesetzt werden. "Wir brauchen ein modifiziertes Fraunhofer-Modell mit einem staatlichen Anteil von 25 Prozent. Das wären für das ,Isat‘ pro Jahr etwa 500 000 Euro", so Pötzl.
Die Hochschul-Vertreter sind sich mit den Abgeordneten einig, dass Projekte gemeinsam auf den Weg gebracht werden müssten. Alleingänge wie beim Digitalen Gründerzentrum mit fünf oberfränkischen Anträgen seien nicht zielführend. red