Weißenbrunn — "Wie schön ist es, dass Menschen sich begegnen können", freute sich Pater Hermann Schulz, als er wieder einmal nach Weißenbrunn in den Landkreis Kronach gekommen war. Herzlich wurde er von Pfarrer Christoph Teile und zahlreichen Freunden in der Region im evangelischen Pfarrheim von Weißenbrunn willkommen geheißen. Gespannt folgten sie den Berichten des Salesianerpaters über die Entwicklung seiner Projekte.
Pater Schulz erinnerte daran, als er vor 22 Jahren nicht lange nach dem Völkermord mit dem Hutujungen Darius und dem Tutsimädchen Bona in den Landkreis Kronach gekommen war. Von 120 jungen Leuten in seinem Jugenddorf hatten nur 20 überlebt. Das Jugenddorf war zerstört. "Im ganzen Land stank es nach Leichen", erinnert sich der Salesianerpater an seine erste Rückkehr in das geschundene Land.
Die Tränen und tatkräftige Anteilnahme der Menschen, die er in diesen Jahren hier in Deutschland kennen lernte, haben etwas bewegt. "Eure Freundschaft machte Mut!" Wenn Menschen sich mit Herz und Seele reinhängen, könne viel bewegt werden. "Es ist das, was uns erlöst auf der Welt."
Wer an Christus glaubt, auch wenn er stirbt, wird leben, glauben die Christen. Christus spielte nicht mit seinen Worten, betonte Pater Schulz. Als er heuer in Ruanda war, sei eine Schwester vom Orden der Kalkuttaschwestern zu ihm gekommen. Deren Mutter lebte dort beim Jugenddorf, sie besuchte ihre Verwandten. Ihr Einsatzort ist Kabul in Afghanistan. "Weil sie an das Leben glaubt, engagiert sie sich mit ihrem ganzen Leben. Kirche erfährt man nur in der Gemeinschaft", so Pater Schulz.
Im September war der Geistliche in Litauen im dortigen Jugenddorf. Das Werk ist gut gefestigt und wird geschätzt. Das kommende Jahr ist schon ausgebucht für Ferienlager, Begegnungen und Besinnungstage für Jugendliche und Erwachsene. Vergangenen September fand auch wieder eine von der EU geförderte internationale Begegnung mit Jugendlichen aus Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen und Litauen statt - ein Beitrag zur Verständigung unter den Völkern.
Betreut werden in Litauen auch arme Kinder und ältere Menschen im Umfeld. Dort gibt es immer noch viele Menschen mit ganz wenig Rente zwischen 87 und 120 Euro im Monat. Diese könnten sich kaum Medizin leisten. Ein Franziskanerpater hatte eine Armenapotheke eingerichtet. Diese ist aber mittlerweile unterbunden. Wie Pater Schulz weiter berichtete, tun sich viele Ältere zusammen, um gemeinsam zu überleben.
Im Sommer waren insgesamt 3000 Menschen Gäste im Jugenddorf. Es gibt viele Begegnungen, Tagungen und Freizeiten. Polizeiseelsorger, Diabetiker und Lutheraner tagten dort. Einige machen Schweigewochen.
"Wir haben nur eine Welt für uns alle", betonte Pater Schulz. Seit 39 Jahren wirkt er in Ruanda. Mittlerweile begreife er immer mehr Hintergründe, auch angesichts der Fluchtbewegung aus dem Kontinent. Der Kolonialismus habe bis heute verheerende Auswirkungen. Der Kontinent wurde mit Brutalität ausgebeutet. "Wir sind alle Menschen", unterstrich der Salesianerpater. Heute gebe es immer noch die Folgen des Kolonialismus. Er kenne selbst das harte Los, Flüchtling zu sein.
In seiner ruandischen Schule wird hauptsächlich in Bauwesen, Informatik (Computer) und Hotel- und Gastronomiewesen ausgebildet. Daneben ist es eine normale Oberschule. Der beste Oberschüler vor zwei Jahren in ganz Ruanda kam von dieser Oberschule und erhielt für fünf Jahre sein Studium bezahlt. Im Jugenddorf gibt es auch einen eigenen Kindergarten.
Sehr wichtig sind die 700 Kinder, für die hilfsbereite Menschen eine Patenschaft übernommen haben und Bildung und Ausbildung ermöglichen. Im Jugenddorf leben rund 120 Kinder, in die Oberschule gehen zwischen 250 und 300 Kinder.