von unserem Mitarbeiter Franz Böhmer

Hallstadt/Ebensfeld — Mit Beginn der Sommerferien erfährt der Main eine besondere Belebung. Schulklassen oder Firmen starten hier Schiffsausflüge. Viele Radfahrer sind unterwegs. Der Boots- oder Kanuwanderweg am Obermain war das erste Projekt der Initiative "Flussparadies Franken". Der Erfolg von Flussparadies Franken mit seiner engagierten Geschäftsführerin Anne Schmitt greift mittlerweile in weiten Teilen der umliegenden Landkreise. So ist beispielsweise auch der 7-Flüsse-Wanderweg zu nennen.
Kultur und Kunst am Fluss nahmen beim Flussparadies dabei schon immer eine wichtige Rolle ein. Zahlreiche kleinere Projekte mit Aktionen beispielsweise an Main und Regnitz wurden realisiert, Veranstaltungen auf die Beine gestellt und begleitet. Nun hatte die Kunst hier Einzug gehalten.
Über Wochen waren die Künstlerinnen und Künstler aus Italien, Bulgarien, Österreich, Tschechien und Deutschland bis heute in Hallstadt dabei, ihre teils wuchtigen Skulpturen aus Sandsteinblöcken herauszuarbeiten. Ihnen konnte dabei zugeschaut werden: Stemmen, Hämmern, Meißeln und Schleifen. Es galt, die Sandsteinblöcke zu formen, damit sie bildnerisch am Ende eine Frage beantworten konnten, die in der Ausschreibung formuliert war: "Wie könnte der Main aussehen, wenn er eine Figur wäre?"
Die Künstler hatten Entwürfe anzufertigen. Zwölf wurden ausgewählt. Die Entwürfe sind seit 23. Juni im Bürgerhaus Hallstadt zu sehen. Fotos der Modelle informieren dort auch über das Projekt der beteiligten zwölf Gemeinden und den Initiator des internationales Bildhauersymposiums, das Flussparadies Franken e.V.
Manfred Reinharts Objekt bekommt den letzten Schliff. Es weist eine eine enorme Ausstrahlungskraft auf. Unwillkürlich tritt der arbeitende Künstler, der Schöpfer, in den Hintergrund. Reinhard arbeitet gerade am Sockel seiner Skulptur. Gerne gibt er Auskunft über sein Werk. Seine Vision der Thematik Fluss hat er beeindruckend und nachhaltig umgesetzt. Das Objekt ist 2,6 Meter hoch. Links ist die Personifizierung eines Mannes zu sehen. Er soll den Main darstellen, von Wasserverwirbelungen durchzogen. Die weibliche Figur rechts stellt den Lauterbach dar. Obwohl die Figuren getrennt sind, sind sie doch aus einem Sandsteinblock gefertigt. So kommt es, dass Linien der Sandsteine, obwohl getrennt, in einer fließenden Bewegung ineinander übergehen. Details, auf die der Künstler zu Recht verweist.
Reinhart freut sich auf den Tag, wenn die Figuren ausgestellt werden. Dann wird sich die Aussage des Werks erschließen. Dafür müssen aber die Flussgesichter in die richtige Richtung schauen. Reinhart wäre es dabei wichtig, dass die Figuren in der entsprechenden Himmelsrichtung aufgestellt werden; eben in Richtung Süden. "Die Sonne spielt beim Betrachten eine Rolle", erklärt er.
In den betreffenden Gemeinden - unter anderen auch Ebensfeld - ist die Freude groß, dass man in dieses Projekt einbezogen wurde, sind doch namhafte Künstlerinnen und Künstler beteiligt. Der 1964 geborene Manfred Reinhart hat sein Atelier und seine Galerie in Rauhenebrach-Untersteinbach. Gelernt und gewirkt hat er bislang in zahlreichen Ländern Europas, aber Heimat ist für ihn Franken. Künstler zu sein, so spürt man bei ihm, ist seine Berufung.