von unserem Mitarbeiter Winfried Ehling

Hammelburg — Der Bayerische Flüchtlingsrat hat sich bei einer Inspektionsreise durch die Regierungsbezirke einen Überblick über die Situation der Flüchtlingsunterbringung verschafft. Über die Ergebnisse berichtete der Flüchtlingsrat nun im Pfarrzentrum.
Der Saalestadt eile ein guter Ruf voraus. Mit dem "Freundeskreis für Flüchtlinge" (FFF) hat die Stadt engagierte Ehrenamtliche. "Wir sind schwer beeindruckt, was den Hammelburgern gelungen ist", sagte Matthias Weinzierl vom Flüchtlingsrat. Damit meinte er die jüngste Zusammenführung der georgischen Familie.
Brigitte Bauer vom Freundeskreis hatte die junge Mutter in Begleitung eines BR-Teams vom Flughafen Frankfurt abgeholt. Sie schilderte die massiven Probleme, die dort aufgetreten waren. Nach rund fünf Stunden Verhandlungen durfte sie Mari und ihre Kinder, versehen mit Ersatzpapieren, nach Hammelburg bringen. Bei der Familie Beichel fanden die Rückkehrer eine vorläufige, private Unterkunft. Ein Glücksfall.
In den 180 bayerischen Gemeinden, die über Flüchtlingsunterkünfte verfügen, leben derzeit 13 000 Asylbewerber. Dezentrale Unterkünfte sollen als Zwischenstationen dienen, bis der Bezirk Mittel für neue Gemeinschaftsunterkünfte zur Verfügung stellen kann, informierte Alexander Thal vom Flüchtlingsrat.
Eines der vorrangigen Themen im Freundeskreis sind Deutschkurse, die behördlicherseits nur bis zum 24. Lebensjahr finanziert werden. "Wir brauchen Unterstützung von Menschen, die sich einbringen und den Leuten privat unsere Sprache beibringen wollen", erklärte Margit Pfisterer vom FFF. Bauer wies darauf hin, dass viele Flüchtlinge arbeiten wollen, was an Formulare und Anträge und ein Mindestmaß an Deutschkenntnissen geknüpft ist.
Der Bericht des Flüchtlingsrats zeigte mehrere Unterkünfte in verschiedenen Bezirken und die Willkommenskultur der Gemeinden. Er zeigte aber auch, dass insbesondere kleineren Kommunen die Mittel für den Bau oder die Renovierung ausgehen. Die Hammelburger Unterkunft konnte der Flüchtlingsrat aus zeitlichen Gründen leider nicht besuchen. "Doch wir loben nicht aus dem Blauen heraus. Wir kennen die Arbeit und die Situation in Hammelburg durch Kontakte. Wir kommen auch noch einmal zurück und werden die hiesige Unterkunft besichtigen", versprach Thal.
Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) sagte: "Ich finde es gut, was hier läuft. Natürlich sind die Behörden manchmal überfordert und über die Sinnhaftigkeit mancher Aktionen kann diskutiert werden. Das Thema stößt jedoch bei mir auf offene Ohren." Warmuth bat um Verständnis für die Situation der Flüchtlinge.