Die Herausforderungen in der Arbeit mit Flüchtlingen verändern sich, so stellten die Vertreter der Flüchtlingsinitiativen im Landkreis Erlangen-Höchstadt einhellig fest. Der Zusammenschluss tagte unlängst im Sitzungssaal des Rathauses in Heroldsberg, um sich über aktuelle Trends, Themen und Veränderungen auszutauschen.
Während vor zwei Jahren die Angebote von ehrenamtlich durchgeführten Sprachkursen für Flüchtlinge im Vordergrund standen, geht es laut einer Pressemitteilung der Initiativen heute um eine sinnvolle Nutzung der Bildungsangebote von staatlich geförderten Einrichtungen. Diese fänden jedoch in den seltensten Fällen vor Ort statt, sondern in den Ballungsräumen wie Nürnberg, Erlangen oder Herzogenaurach. Lange Fahrtwege bis zu insgesamt drei Stunden täglich wie von Eckental zur Berufsschule in Herzogenaurach zu Vorkursen in Deutsch seien dabei in Kauf zu nehmen.
Bei vielen Bildungsangeboten müssten zudem die Flüchtlinge ihre Fahrtkosten selbst tragen, die im Vergleich zu ihrem Taschengeld enorm seien. Dank finanzieller Unterstützung der Flüchtlingsinitiativen sei die Wahrnehmung dieser Bildungsangebote manchmal überhaupt erst möglich. Auf die Anfrage bei Sozialministerin Müller und bei Heimatminister Söder, ob die derzeitige städtisch konzentrierte Bildungslandschaft und die damit verbundene finanzielle Benachteiligung für Flüchtlinge im ländlichen Raum gerechtfertigt sei, gebe es leider seit Mai 2016 keine Antwort.


Hilfe bei der Wohnungssuche

Eine weitere aktuelle Herausforderung sei die Vermittlung von anerkannten Flüchtlingen in Wohnungen. So seien an einigen Orten die Flüchtlingsunterkünfte mit einem Drittel von Personen belegt, die sich darum bemühen, endlich eigenen Wohnraum und damit Privatsphäre für sich und ihre Familien zu finden.
Ein Vertreter der Flüchtlingshilfe Heroldsberg stellte bei dem Treffen sein Konzept für die Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt vor. Es erfordere eine intensive Begleitung durch die Ehrenamtlichen von der Anerkennung der Zeugnisse aus den Heimatländern über die Erstellung eines Lebenslaufs bis hin zur Berufsfindung und Bewerbung. Die Hilfe zur Selbstständigkeit in Deutschland erfordere jedoch die Infrastruktur von Computern, Druckern und Internet, die an vielen Orten nicht gegeben sei. So stellten Ehrenamtliche neben ihrer Zeit und ihrem Know-how meist auch Arbeitsmittel und privaten Internetzugang zur Verfügung.
Das Fazit aus dem gemeinsamen Treffen der 17 Flüchtlingsinitiativen laut Pressemitteilung: Es gebe in der Begleitung der Geflüchteten immer noch viel für die Ehrenamtlichen zu tun, weil es große Versorgungslücken im staatlichen System gebe. Nicht zu vergessen sei jedoch auch die Bedeutung von jeder Begegnung von Mensch zu Mensch - die könne kein System ersetzen.