Oberschleichach — In der Pfarrei Oberschleichach ist die Bereitschaft groß, Flüchtlingen zu helfen. Die Pfarrei selbst stellt ab Oktober die Wohnung im Pfarrhaus für eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zur Verfügung. Darüber wollte die Kirchengemeinde am Freitag im Pfarrsaal informieren; dann kam aber dazu, dass seit Donnerstag zwei syrische Familien in Unterschleichach leben, sodass der Themenkreis umfassender wurde.
Kirchenpflegerin Christiane Raab hatte zum Informationsabend den Leiter der Kinder- und Jugendhilfe St. Josef aus Eltmann, Martin Gehring, und den fachlichen Leiter der Wohngruppen, Peter Rödelmaier, eingeladen, um zu erläutern, wie die Wohngruppe funktioniert.


Erfahrung

Die Kinder- und Jugendhilfe hat bereits seit einigen Jahren Erfahrung mit solchen Wohngruppen. Insgesamt fünf davon gibt es bereits für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die meisten Minderjährigen, die in Deutschland ankommen, sind Syrer, die auf der Flucht ihre Eltern verloren oder deren Eltern nicht in der Lage waren zu flüchten, oder Eritreer. In dem afrikanischen Land werden Buben ab 16 Jahren einfach von der Straße weg zwangsrekrutiert und auf nicht absehbare Zeit zum Kriegsdienst verpflichtet, wie es hieß.
Die Jugendlichen hätten schlimme Dinge erlebt, doch seien sie auch außerordentlich erwachsen, sagte Martin Gehring in seinen Erläuterungen. Sie alle seien sehr eifrig, die deutsche Sprache zu lernen, und ihr erklärtes Ziel sei es, eine Ausbildung zu machen. Genau das sei auch die Zielsetzung der Jugendhilfe Eltmann.
Die Jugendlichen werden nach ihrer Ankunft schnellstmöglich die Berufsschule besuchen. Am Nachmittag gibt es eine stundenweise Betreuung. Zuständig für die Gruppe in Oberschleichach wird ein Mitarbeiter aus dem gleichen Ort sein.


Wohnung wird frei

Die Wohnung im Pfarrhaus in Oberschleichach wird zum 1. Oktober frei, weil der bisherige Pfarrvikar als Domvikar nach Würzburg berufen wurde. Vikar Thomas Drexler war es auch, der vorschlug, die Wohnung für die Integration von Flüchtlingen zu nutzen. Für die Wohngruppe ist sie wegen ihrer Größe ideal.
Viele interessierte Fragen beantworteten Gehring und auch Peter Rödelmaier. Christiane Raab wünscht sich auch, dass die Jugendlichen im Ort integriert werden. Kontakt mit Sportvereinen sei hilfreich. Einige Mütter wollen auch ihre eigenen Söhne motivieren, die Jungs an die Hand zu nehmen. Wann genau Flüchtlinge in das Pfarrhaus einziehen, ist allerdings noch nicht bekannt.


Familien in Unterschleichach

Bereits da sind zwei Familien mit jeweils zwei Kindern in Unterschleichach, wie die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sabine Weinbeer mitteilte. Auch hier sei Hilfe, vor allem aber offene Begegnung gefragt. Gemeinsam mit der Organisatorin von "Bürger helfen Bürgern", Anita Amend, habe sie die beiden Familien bereits besucht und kläre derzeit noch ab, welche Hilfen benötigt werden. Was Ausstattungsgegenstände oder Kleidung betrifft, werde sie das mit den entsprechenden Größen im Aushangkasten an der Pfarrkirche und im Internet (facebook: "Oberaurach hilft" oder "St. Laurentius Oberschleichach) veröffentlichen, sagte Weinbeer. Auf jeden Fall könnte "Bürger helfen Bürgern" für die Unterstützung der Flüchtlinge weitere Freiwillige brauchen, die Fahrdienste zum Einkaufen oder zum Arzt übernehmen. Glücklicherweise habe man mit einer weiteren syrischen Familie in Tretzendorf zwei Dolmetscher zumindest ins Englische zur Verfügung, freuten sich Amend und Weinbeer.


Unterstützung

Schon am Informationsabend und nach dem Sonntagsgottesdienst, in dem das Thema nochmals angesprochen wurde, war viel Bereitschaft zur Unterstützung zu erkennen. Die Oberauracher wollen mitwirken. sw