Im Rahmen der Interkulturellen Wochen veranstaltete der Vorbereitungskreis des Afrikafestes einen Infoabend im Jugendzentrum Struwwelpeter zum Thema "Der Fremde unter uns". Das brisante Thema stieß auf reges Interesse.
Zu Beginn seiner Ausführungen ging der Referent, Gerd Weickert von der Migrationsberatung des diakonischen Werks Ludwigstadt-Kronach/Michelau, auf die Entstehungsgeschichte des Abends ein. Diese interkulturelle Projektreihe wird durch das Projekt "Demokratie Leben" gefördert, das im Landkreis Kronach durch die VHS-Kronach und durch das Landratsamt koordiniert wird. Ziel dieses Projektes ist es, das interkulturelle und interreligiöse Leben in der Region zu fördern. Diese Intention hatte auch die Info-Veranstaltung und hier war es von großem Vorteil, dass auch einige Flüchtlinge aus dem Landkreis Kronach anwesend waren. Sehr freute sich der Referent auch, Diakonin Annette Hofmann unter den Gästen begrüßen zu können - wie auch einige Jugendliche, die sich für dieses Thema interessierten.
Weickert legte großen Wert darauf, dass der Abend nicht in ein juristisches Seminar ausartete, sondern dass der Mensch im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stand und darüber hinaus nicht nur der Flüchtling, sondern auch der "Eingeborene" mit seinen Ängsten und Sorgen. "Schon seit Jahrzehnten kommen die unterschiedlichsten Menschen aus unterschiedlichen Gründen nach Kronach", so Weickert. Neben Kriegsflüchtlingen seien dies Gastarbeiter und Aussiedler.
Auch die Menschen, die in der Vergangenheit nach Deutschland gekommen seien, hätten es am Anfang schwer gehabt und auch sie hätten mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Seiner Meinung nach seien die Aussiedler die erste Personengruppe, für die der Staat etwas tue, um ihnen das Einleben in Deutschland zu erleichtern. Sie erhielten beispielsweise Sprachkurse und auch die berufliche Integration werde gefördert.


Die Kultur leben

Weickert wollte auch nicht verhehlen, dass sich Parallelgesellschaften gebildet hätten und in Zukunft auch bilden würden. Er empfand dies aber nicht als schlimm, denn diese Welten gäben den Betroffenen Sicherheit und Gelegenheit, ihre Kultur zu leben. Schlimm sei es nur, wenn diese Welten undurchlässig seien. Dies sei aber hier überwiegend nicht der Fall. "Wenn ein Bürger Kontakt zu anderen Neubürgern sucht, kann er ihn finden", war er sich sicher und erwähnte in diesem Zusammenhang auch einige positive Beispiele aus der türkischen Gemeinde in Redwitz, die schon einige Veranstaltungen für die einheimische Bevölkerung durchgeführt habe.
Eine junge Besucherin warf ein, dass sie große Schwierigkeiten habe, mit den jugendlichen Flüchtlingen in Kontakt zu kommen - insbesondere wegen der Sprache und daher immer nur "Hallo" sage. Darauf meinte der Referent, dass dies vielleicht das Wichtigste sei, was ein jeder tun könne, nämlich den anderen wahr und ernst zu nehmen. Aus einem "Hallo" könne sich durchaus ein Gespräch entwickeln. Sei dies nicht der Fall, sei es auch nicht schlimm. Das Schlimmste für einen Menschen sei es, von anderen ignoriert zu werden.


Keine großen Abweichungen

Ein Thema war die Kriminalität unter Flüchtlingen. Seine Ausführungen zu diesem Thema begann Weickert mit einem Auszug aus einem Interview mit einem rechtspopulistischen Politiker aus Österreich, der in einem Interview sagte, "man muss doch wohl noch sagen dürfen, dass Flüchtlinge Verbrechen begehen". "Natürlich muss man das sagen dürfen", meinte auch Weickert, "denn auch Flüchtlinge begehen Verbrechen". Wer Kriminalitätsstatistiken lese, werde aber feststellen, dass es hinsichtlich der Nationalität bei den Straftaten keine dramatischen Abweichungen gebe. Es gebe allerdings Personengruppen, die krimineller als andere seien. Am meisten rage hier die Gruppe der jugendlichen unverheirateten Männer heraus.
Auch der österreichische Politiker habe in einem Nebensatz erwähnt, dass Verbrechen auch von Österreichern begangen würden. Weickert fragte sich, wie dieses schiefe Bild vom kriminellen Flüchtling habe entstehen können. Hier gab er auch den Medien eine gewisse Schuld, die bei Verbrechen von Flüchtlingen immer erwähnten, dass es sich um einen Flüchtling handele und manchmal auch noch, dass er Moslem sei. "Bei deutschen Kriminellen liest man so gut wie nie "der deutsche, katholische Mörder", sondern nur "ein Mann", so Weickert. Wenn man bei deutschen Kriminellen die Nationalität und Religion erwähnen würde, würde mancher vielleicht an Sonntagen die Nähe von Kirchen meiden, mutmaßte er.
Den Abend beschloss einer der Gäste spontan mit einem Zitat aus einem Buch, in dem es unter anderem heißt: "Wenn wir uns nicht darum kümmern, wie es den anderen geht, dann geht es ihnen und uns gleichermaßen schlechter."
Weickert machte zum Schluss noch einmal seinen Wunsch deutlich, dass es trotz der Probleme und Schwierigkeiten, die es mit Zugewanderten und auch mit Einheimischen geben könne, möglich sein sollte, ein friedliches und von gegenseitiger Achtung geprägtes Leben zu führen.