Zu den Kernaussagen des vor zwei Jahren beschlossenen innovativen und integrierten Entwicklungskonzeptes gehört die Nachverdichtung der Ortsteile, unter anderem durch Besiedlung von Brachflächen in bebauten Gebieten. Dieser Aufgabe widmet sich der Marktgemeinderat mit Leidenschaft: In der jüngsten Sitzung wurden drei Bebauungspläne beraten und zur öffentlichen Auslegung vorbereitet, die mal keinen Landverbrauch in der freien Natur verursachen werden.
Ein vierter Bebauungsplan kam in der Sitzung des Marktgemeinderates kurz zur Sprache - das von Grundstücksnachbarn heftig attackierte Vorhaben an der Wartleite im Ortsteil Friesen. Dazu lag ein Dringlichkeitsantrag der Fraktionen von WÖB, FW und SPD vor. Das Ziel: die aktuellen Planungsaktivitäten vorübergehend einstellen. Zwischenzeitlich, so der Wunsch der drei Fraktionen, sollen offene Fragen zum Naturschutz, zur Ortsrandsatzung und zu den Baugrenzen geklärt werden. Ferner soll die Einbindung in das Gemeindeentwicklungskonzept in Kombination mit den Baugebieten Lehmäcker und ehemaliges Vogtgelände betrachtet werden. Und schließlich stelle sich die Frage nach den Auswirkungen auf den Haushalt der Marktgemeinde.


Bürgerversammlung im März

Bürgermeister Klaus Homann (CSU) schlug vor, die angeschnittenen Probleme in der März-Sitzung aufzugreifen. Anfang des Monats werde in Friesen eine Bürgerversammlung stattfinden, bei der die örtlich umstrittenen Bauleitpläne zur Sprache kommen werden. Weitere Planungsaktivitäten seien in den nächsten Wochen nicht zu erwarten, versicherte Homann. Ergo wurde das Thema vertagt.
Beim Bebauungsplan "Neugarten" für eine 0,7 Hektar große Grünfläche an der St.-Mauritius- und Pfarrer-Gareis-Straße in Sassanfahrt handelt es sich um den Versuch des Marktes Hirschaid, eine Baulandnachfrage unter potenziellen Bauherren anzuregen. Auf eine konkrete Ausformung des Plans wird daher noch verzichtet. In dem "allgemeinen Wohngebiet" können Wohngebäude, Läden, Gaststätten oder nicht störende Handwerksbetriebe sowie Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche oder sportliche Zwecke entstehen.
Die Erschließungskosten der 7000 Quadratmeter großen Fläche werden von den Stadtplanern Höhnen & Partner auf 270 000 Euro geschätzt. Bislang sind von den Bürgern keine Einwände gegen den Bebauungsplan erhoben worden; Vorbehalte der Träger öffentlicher Belange werden für die zweite Auslegung berücksichtigt.


"Wassersensibler" Bereich

Seit 1970 gibt es Bemühungen, die freie Fläche im Winkel Staatsstraße 2260/Sassanfahrter Hauptstraße zu verwerten. Nun wird eine Änderung des jahrzehntealten Bebauungsplans angestrebt. Die davon betroffenen 4600 Quadratmeter liegen in einem "wassersensiblen Bereich": Wie viele andere Grundstücke des Ortsteiles Sassanfahrt sind sie bei Hochwasser der Regnitz von Überschwemmung bedroht. Auch ist von Grundwasser in geringer Tiefe auszugehen. Künftige Bauherren werden dies zu berücksichtigen haben.
Verkehrstechnisch erschlossen wird das kleine Baugebiet mit den maximal zulässigen 19 Wohneinheiten in drei Baukörpern durch eine neue Straße mit 7,50 Meter Breite, die von der Kreisstraße abzweigen und eine Verbindung zur Weidigstraße herstellen wird. Den künftigen Bauherren werden besondere Schallschutzvorkehrungen auferlegt. Aus der Ortsbevölkerung wurden zu dem Bauvorhaben bislang keine Stellungnahmen abgegeben; die Träger öffentlicher Belange haben keine gravierenden Bedenken geäußert. Der Planentwurf geht jetzt mit geringfügigen Änderungen ins zweite Anhörverfahren.
Im Sinne der Nachverdichtung gebührt einer Änderung des Bebauungsplans Ortskern im Bereich Schleusenweg besondere Beachtung: Aufgrund der ortsbildprägenden Lage im Übergang zum historischen Hirschaid und den Freiflächen am Main-Donau-Kanal geht es darum, die städtebauliche Funktion des Änderungsbereichs zu erhalten und zu entwickeln. Das heißt: Nicht alles Grün, was in dem Areal erhalten geblieben ist, darf sich in Betongold verwandeln. So entschied sich der Marktgemeinderat vorab bereits für eine Planungsvariante mit dem beziehungsreichen Namen "Hofgarten".


Räte stimmen zu

Allerdings hat sich in der Zwischenzeit die Familie Kaiser entschlossen, ihr Grundstück an der Luitpoldstraße nicht überplanen zu lassen. Folglich musste auch das angrenzende Bauhof-Areal aus dem Plangebiet gestrichen werden, informierte Stadtplaner Franz Ullrich vom Büro "plan&werk". Als langfristige Entwicklungsziele sollen diese Flächen aber erhalten bleiben. Der Marktgemeinderat billigte den neuerlichen Planentwurf, der ein Misch- und ein allgemeines Wohngebiet mit attraktiven Freiraumstrukturen vorsieht. Der Bebauungsplan wird nun öffentlich ausgelegt.