Jöslein — Zsòfia Nemeth und Csek Janos wirbeln auf dem Podium, lassen ungarisches Blut im Czardas aufwallen. Das Volkstanzpaar der Gruppe "Ürmös Tànckör" aus der Stadt Sopron nahe dem Neusiedlersee, zu der Neudrossenfeld freundschaftliche Bande pflegt, gehören zu den Blickfängen des 11. ungarischen Volkskunstmarktes, geben zusammen mit der Zigeunerkapelle dem bunten Treiben im Garten der Gastwirtschaft "Piroska Czarda" die besondere Note. Die Magyaren waren für vier Tage hautnah im Frankenland.
Und Ungarn präsentierte sich, was die Handwerkskunst betrifft, ebenso von seiner besten Seite. Handgemachte Seifen, Geschmeide, leckere Spezialitäten lockten. Die Familie Nagy, die Waren aus Ton und Emaille herstellt und eigene Motive besonders für Kinder aufbrennt, wo einen Schafe, Katzen und Schweinchen anlachen, ist das zweite Mal in Jöslein und will wiederkommen. "Uns gefällt die Gegend, am Tag der Heimfahrt schauen wir auch in Neudrossenfeld mit der Kirche und dem Schloss vorbei", schwärmt das Ehepaar.

"Eine Selbstverständlichkeit"

Einer, der schon ein halber Jösleiner ist, heisst Marton Bencze. Der Mann, zuständig für Produkte aus Schafwolle, kam bereits unter der Regie von Janos Piroska, dem Vater des jetzigen Wirts Peter, zum Volkskunstmarkt. "Hier ist es einfach schön, nette Leute, daher ist für mich das Dabeisein im achten Jahr hintereinander eine Selbstverständlichkeit". Er zeigt stolz auf die Felle, Mäntel, Hüte, Socken und Pantoffeln mit den speziellen magyarischen Mustern: "Das mache ich alles selbst."
Nebenan sticht das Indigo-Blau ins Auge, der Stand der Familie Horvàth aus Tolna in Südungarn hat Raritäten zu bieten: Aus der ältesten Blaudruckwerkstatt Ungarns, über 200 Jahre alt, stammen die Erzeugnisse. Sie kann auf mehr als 600 überlieferte Modeln zurückgreifen, mit denen die Baumwolle per Hand bedruckt wird. "Unsere Blaufärberei ist echt handwerklich, wir benutzen nur reine Stoffe. "Schauen Sie, wie intensiv die Farbe leuchtet", sagt Erika und bedient den nächsten Kunden, der schnell fündig geworden ist. Dieser kauft eine der schönen Tischdecken, mit denen auch die Jösleiner Gastwirtschaft ausgestattet ist. Alles leuchtet am Stand in Blau: Schürzen, Topflappen, Stoffbehälter für Weinflaschen und Brotkörbchen, Duftsäckchen - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Über seine randlose Brille hinweg guckt Dènes Nepp in die Runde. Der Sattlermeister aus Szekszàrd ist ein echter Künstler in seinem Metier, denn er wurde wiederholt für seine Arbeiten ausgezeichnet, die vom Pferdegeschirr bis zum kunstvollen Gürtel reichen.

Preisträger bei Weltausstellung

Er gewann den Hauptpreis bei der Weltausstellung in Budapest, den Landeswettbewerb in Debrecen - der Lederwarenfachmann fertigte auch das "Meisterstück des ungarischen Handwerksgewerbes". "Unseren Betrieb gibt es seit 1910, ich arbeite in der dritten Generation", erzählt er. Und er weist noch auf eine Besonderheit hin. "Das Pferdegeschirr mit Kupferbeschlag für Marathonfahrten habe ich auch per Hand hergestellt, damit ist Johann Böhler Weltmeister geworden". Nimmt eine Zange und befestigt an einem Gürtel ein paar Nieten.
Im nächsten Jahr will Dènes Nepp ein Wiedersehen feiern. "Aber ohne Regen am Anfang", sagt der Ungar und lacht.
Peter Piroska gesellt sich hinzu, überlegt ein bisschen und meint: "Ja, 2015 findet wieder ein Volkskunstmarkt statt, diese mittlerweile zur Tradition gewordene Veranstaltung muss weiterleben."