Die Industriegewerkschaft (IG) Metall Coburg, die auch die Landkreise Kronach und Lichtenfels betreut, ehrte im Schützenhaus Kronach 133 Mitglieder für ihre langjährige Treue. Insgesamt hätte man sogar 486 Männer und Frauen auszeichnen können, ein Großteil war jedoch verhindert.
"Die Jubilare bringen es zusammen auf 19 445 Jahre Loyalität zu ihrer Gewerkschaft", sagte der Erste Bevollmächtigte der Geschäftsstelle Coburg, Jürgen Apfel. Mit dem 99-jährigen Ferdinand Bozdech aus Kronach konnte er eines der ältesten Mitglieder begrüßen, er hält seiner IG Metall seit sage und schreibe 81 Jahren die Treue.


Themen werden aufgegriffen

Der Bevollmächtigte ging auch auf eine Aktion der IG Metall ein, bei der Beschäftigte im gesamten Bundesgebiet zu ihrer Arbeitssituation sowie zu aktuellen politischen Themen befragt wurden. "Die gewaltige Beteiligung von 681 241 Menschen aus rund 7000 Betrieben macht uns enorm stolz", sagte Apfel. Dies sei ein Zeichen, dass die Beschäftigten mit ihren Wünschen, Forderungen und Sorgen gehört werden wollen und in die IG Metall das Vertrauen setzen, dass die Themen aufgegriffen werden.
Über 93 Prozent der Befragten hielten es Apfel zufolge für wichtig, das Thema Industrie 4.0 mitzugestalten, so wie es die IG Metall seit Jahren tue. "Nur wer keine Angst um die Zukunft haben muss, kann gut und kreativ arbeiten", so Apfel. Die IG Metall warne Politik und Arbeitgeber, die Umbrüche in der Arbeitswelt zum Abbau von Schutzrechten zu missbrauchen. 95 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass es Zeit für mehr Gerechtigkeit sei.
Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann entbot auch die Grüße des Kronacher Bürgermeisters Wolfgang Beiergrößlein. Sie griff den Leitspruch der IG Metall - "Arbeit sicher und fair" - auf und ermunterte dazu, den ständigen Prozess der Änderungen im Arbeitsleben aktiv mitzugestalten. Zur Fairness gehöre auch die gleiche Bezahlung für Frauen und Männer.


Loyal auch im Ruhestand

Der oberfränkische DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt dankte den Jubilaren für ihre jahrzehntelange Treue. Sie seien der Gewerkschaft auch über ihre Erwerbsphase hinaus loyal geblieben. Darin sah er einen klaren Beleg, "dass sie die Gewerkschaft nicht als eine Art Versicherung gegen die Risiken im Arbeitsleben ansehen".
Besonders hob Eckardt die Leistungen der Jubilare hervor, die vor 70 Jahren unmittelbar nach Kriegsende am Wiederaufbau beteiligt waren und in den Betrieben ein neues gewerkschaftliches Leben formierten. Eckardt erinnerte an Streiks und Arbeitskämpfe, die vor 65, 60 oder 50 Jahren zu großen gewerkschaftlichen Errungenschaften zum Wohle der Arbeitnehmer führten.


"Nicht selbstverständlich"

"Die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte können sich sehen lassen", sagte Eckardt. 30 Tage Urlaub, eine gutes Einkommen oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sei nicht selbstverständlich", meinte der Festredner.
Und Eckardt machte deutlich, dass man eine starke Gewerkschaft brauche, um Arbeitnehmerrechte, angemessene Arbeitsbedingungen und tarifpolitische Errungenschaften zu erhalten.
Anschließend führten Mathias Eckardt, Jürgen Apfel sowie der Zweite Bevollmächtigte Dietmar Knerr mit Angela Hofmann die Ehrungen der Jubilare durch. Die Feier wurde musikalisch vom Duo "FM" umrahmt. Karl-Heinz Hofmann