In Leutenbach schütteln die Leute den Kopf. Es gibt einen Tante-Emma-Laden: Nahkauf nennt er sich und ist einen Steinwurf weit vom Mühlweiher entfernt. Letzte Woche kontrollierte dort ein EU-Kontrolleur den Gemischtwaren-Laden. Er nahm Anstoß daran, dass das frische Obst und Gemüse dort ausgewiesen wurde mit dem Hinweis "aus Franken". In seinem Belehrungsprotokoll vermerkte er sorgfältig alles Obst, das seiner Meinung nach falsch ausgezeichnet sei. Unterstellt der vom oberbayerischen Triesdorf beauftragte Kontrolleur den Leutenbachern, sie wüssten nicht, dass Franken in Deutschland liegt? Oder ist er nur ein armer Knecht ausufernder Brüsseler Bürokratie. Gertrud Heidner, der Geschäftsinhaberin, die ihr Geschäft von 7 bis 18 Uhr durchgehend geöffnet hat und den Franken Fränkisches bieten will, untersagte er jedenfalls die "falsche" Bezeichnung ihres Obstes unter Androhung einer Strafe. Nun hängt ein handschriftliches Zusatzschild über dem unverändert beschrifteten Obstregal. "Obst und Gemüse mit der Bezeichnung Franken stammt aus Deutschland." Ob der Kontrolleur Sinn für Humor hat?
Viele Kunden in Heidners Laden haben kein Verständnis für diese Bürokratie. Raimund Dörfler, der stellvertretende Vorsitzende der CSU Leutenbach-Mittelehrenbach und nach eigener Aussage bekennender Europäer, will nun die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) in Heidners Laden einladen. Sie soll Gertruds Reaktion auf ihren vormaligen Verstoß gegen Art. 113a VO (EG) Nr. 1234/20078, gegen Art. Durchführungsverordnung Nr. 543/2011, gegen Paragraph Handelsklassengesetz (EU HdJKJG) und gegen VO EG-Normen für Obst und Gemüse in Augenschein nehmen. Leutenbachs Tante-Emma-Laden liegt nicht in Malta oder Litauen oder Bulgarien, wo man mit dem Begriff Franken vielleicht nichts anfangen kann, mit Deutschland schon. Welcher Malteser, Litauer oder Bulgare kauft schon in Leutenbach ein, fragt er sich? red