In einem typisch fränkischen Brauereigasthof in Forchheim. Wenn man von außen durch die Butzenscheiben schaut, will man gar nicht rein. Alle Tische sind besetzt. Kommt man rein, ist man überrascht. Jeder Tisch ist nur mit einem, maximal zwei Gästen besetzt, die sich über die Tische hinweg mit den anderen Gästen unterhalten. Die Wirtin bringt automatisch ein neues Seidla, wenn der Krug auf dem Tisch umgelegt wird. Geht alles lautlos. Man verzehrt seine mitgebrachte Brotzeit und niemand nimmt einem das übel. Im Gegenteil: An der Eingangstür steht sogar die Aufforderung, dass mitgebrachte Brotzeiten verzehrt werden dürfen. Am mittleren Tisch sitzen zwei Männer. An ihrem Outfit (Trachtenjanker) und gelegentlichen Gesprächsfetzen kann man erkennen, dass sie "Ausländer" sind, vermutlich aus Ober- oder Niederbayern. Auf den Tischen stehen so neumodische rote "Flackerkerzen", die mit Batterie betrieben werden. Sie sind ausgeschaltet. Der eine von den beiden Nicht-Franken versucht, mit dem Feuerzeug die Kerze anzuzünden. Er muss das Feuerzeug tief reinhalten und legt es wieder beiseite, nachdem er sich offensichtlich verbrannt hat. Plötzlich riecht es penetrant nach verbranntem Kunststoff. Die Umsitzenden schauen mittlerweile wortlos zu, als der andere der beiden ebenfalls versucht, die LED-Kerze anzuzünden. Irgendwann brüllt einer: "Ja siggst denn net, dass des a Plasdig-Gerzn is. Her bloß auf, bevor's des Wertshaus abfaggelst."
Die zwei schauen sich etwas verstört an und wundern sich offenbar, was es im weihnachtlichen Franken so alles gibt. Vom rechten Tisch ruft einer rüber: "Gell do schauder, ihr zwa, wos mir scho alles hamm - des gibds bei eich non et." Die zwei Zündler beeilen sich zu zahlen und äußern noch, dass der am Tisch gegenüber auch die Kerze angezündet hat. Das war aber offensichtlich die einzige Wachskerze in der Wirtschaft. Der Ur-Forchheimer dreht sich um, sieht die brennende Wachskerze, kennt scheinbar den, der davor sitzt und schreit: "He Werdi, wieso hotn der Kerschbacher a Wachskerzn?". Die anderen beiden verlassen grußlos die Wirtschaft. Jetzt sind sich die Verbliebenen sicher, dass es sich um "Wirtschaftsflüchtlinge" aus dem bayerischen Ausland gehandelt hat.