Bad Brückenau — Mitten im Zentrum der Südlink-Gegner fand am Tag der Gespräche der Großen Koalition über die Energiewende ein Vortrag von Hans-Josef Fell, Autor des Erneuerbare Energien Gesetzes und Präsident der Energy Watch Group, statt. Veranstalter war die Energie-Initiative Rhön und Grabfeld e. V. Vorsitzender Dieter Esau und 2. Bürgermeister Jürgen Pfister begrüßten die Gäste.
In der Georgi-Kurhalle sprach Fell zum Thema "Südlink: Erdverkabelung bringt Landschafts- und Anwohnerschutz", anschließend wurde kontrovers, aber sachlich diskutiert. Verhindern die Trassen den dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien in Bayern und booten genossenschaftliche Lösungen zugunsten der Großkonzerne aus? Kommt nicht letztendlich Windstrom, sondern Kohlestrom im Süden an? Kann man oberirdische Trassen verhindern und die Erd-Verkabelung durchsetzen? Diese und viele weitere Fragen hatten die Zuhörer mitgebracht und waren gespannt auf die Ausführungen von Hans-Josef Fell, der es für machbar hält, den Strombedarf bis 2030 in Deutschland zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken.

Gesetzliche Vorgaben ändern

Er machte klar, dass aus seiner Sicht an einer Trasse aus Gründen des europaweiten Energieaustauschs und der Versorgungssicherheit kein Weg vorbei gehe. Für ihn liegt die Lösung in der vollständigen Verkabelung. Für ein unterirdisches Gleichstrom-Hochspannungskabel müssten jedoch die gesetzlichen Vorgaben, an die sich die Firma Tennet als ausführende Firma halten muss, geändert werden, bisher war die Erdverkabelung nur für Teilstrecken erlaubt. Wie Fell berichtete, sieht die Bundesregierung keine rechtlichen Hinderungsgründe bezüglich einer vollständigen Erdverkabelung, sondern führte bisher lediglich technische und wirtschaftliche Argumente an. Er erzählte von einer Antwort der Bundesregierung vom 28. April auf die Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen zu "Bürgerbeteiligung und Erdverkabelung beim Stromnetzausbau", darin werden keine rechtlichen Aspekte gegen eine Vollerdverkabelung als Hinderungsgrund angeführt.

Schnellere Durchführung

Fell führte aus, dass Erdverkabelung rund doppelt so teuer sei wie Freileitungen, aber man käme schneller voran, weil die benötigte Schneise statt 80 Meter nur 20 Meter betrage, der Widerstand in der Bevölkerung geringer sei und das Planungsverfahren schneller durchgeführt werden könnte. Zudem könnten die Erdkabel mit Beton oder speziellen Schutzmatten durchwurzelungsfest ummantelt werden, weshalb Bewuchs auf der Schneise sogar wieder zugelassen werden könnte. "Die Landschaftsoptik wäre anders als bei den hässlichen Freileitungen vollständig geschützt", sagte er. Die von vielen Anwohnern gefürchteten gesundheitlichen Emissionen gebe es mit Erdkabeln auch nicht. Zuhörer fragten auch, ob wirklich alle Trassen nötig sind. Fell antwortete, dass die drei großen Trassen mindestens gebaut werden müssten, und dies so schnell wie möglich, damit der parallele und sehr wichtige Ausbau der Erneuerbaren Energien durchgeführt werden kann. red