Was kann einen kulturellen Jahresabschluss schöner, intensiver und einnehmender machen als ein Konzert des Gesangvereins Neuenreuth? Eigentlich auf lokaler Ebene stimmlich und instrumental nichts. Denn es gibt keine Steigerung zu dem wunderschönen Abend in der Dreifaltigkeitskirche, den über 500 Zuhörer miterleben wollten. Und die sich von dem Laienchor und dem Collegium musicum Bayreuth an die Hand nehmen und durch fünf Jahrhunderte Kompositionswelt führen ließen. Dabei gab es viele Facetten vom Frühbarock bis zur Gegenwart, von fränkisch Volkstümlichem bis zum Sakralen, eingebettet in tiefem Ernst oder leichter Beschwingtheit.
Wenn Manfred Bauriedel, dieser eloquente, in die Musik aufgehende Dirigent, so ein Konzert konzipiert, dann verlangt er Präzision, Durchhaltevermögen und hohe Konzentration der Interpreten. Der Lohn dafür waren 80 Minuten ungetrübtes Hörerlebnis und ein langer Schlussbeifall.


Profihaftes Quintett

Genauso wie die Sängerschar, zwar verstärkt durch ein nahezu profihaftes Quintett, sich im schwierigen Terrain der Augsburger Weihnachtsmesse in G-Dur, op. 24 in lateinischer Sprache sicher bewegte, "Auf den Feldern nah' Bethlehem" nach Georg Friedrich Händel in zarter Harmonie intonierte oder "Maria durch den Dornwald ging" mit fein modulierten Akkorden bereicherte. Eine Offenbarung die Passagen zur Anbetung im Stall, wo "Stille Nacht, Heilige Nacht" ein ungewöhnlich modernes Klangbild auslöste. Man sang die Begleitsätze exzellent, textlich verschoben in harmonischer Fülle. Bauriedel wusste Feierliches, Grandioses, ins zeitweise fast mystisch Gehendes behutsam und fulminant zu vereinen, die Wandlungsfähigkeit der über 30 Aktiven imponierte. Ergreifend schön, den Zauber des Glaubens weit ins Kirchenschiff ausbreitend, das gesungene "Vater unser" von Dimitri Bortnjasnkij. Man dachte, man könne sich auf diesen Wogen der Sehnsucht nach Unbekanntem, Verheißungsvollem mit aufschwingen und forttragen lassen.
Wie überhaupt seine Affinität zum Ensemble Collegium musicum Bayreuth fließend war. Die Musiker aus der Richard-Wagner-Stadt profilierten sich als subtile Streicher-und Bläsereinheit mit präzisem Strich und klarem Hörner-Ton. Die Sopranistinnen Tanja Schaller und Lisa Stenglein, Altistin Ursula Brückner, Tenor Alexander Schuster und Bass Uli Grampp machten in den Soli farblich abgestufte Klangvariationen großartig hörbar. Grampp setzte mit seiner sonoren Ausdruckskraft noch Akzente.