Mit Markus Lüpertz hat Bamberg für die Gestaltung der Kirche St. Elisabeth im Sand einen Künstler gewonnen, dessen farbstarke und kraftvolle Kirchenfenster bereits in St. Andreas in Köln große Beachtung und Lob erfahren haben. Was macht seine Fenster aus? Wie gehen andere Künstler an diese komplexe Aufgabenstellung heran? Der Vortrag von Birgit Kastner sucht nach Antworten auf ebendiese Fragen und gibt einen Überblick über die Künstlerfenster des 21. Jahrhunderts. Der Vortrag findet in der Kirche St. Elisabeth am Mittwoch, 12. Oktober, um 19.30 Uhr statt.
Künstlerfenster in historischen Kirchen sind europaweit im Trend. Viele namhafte Künstler - von Imi Knoebel bis Gerhard Richter, von Markus Lüpertz bis Sigmar Polke - widmeten sich jüngst der Kunst am und im Sakralbau.


Keine beliebige Dekoration

Moderne Fenster in alten Kirchen sind keine beliebige Dekoration. Sie sind Teil der Raumwirkung und damit der Liturgie, und sie sind von denkmalpflegerischem Interesse. "Je bedeutender ein Bauwerk, je wertvoller seine Ausstattung, desto wichtiger sind Neuschöpfungen, die nachhaltig künstlerisch überzeugend sind", sagt Holger Brülls vom Landesdenkmalamt in Halle, der einer der großen Fürsprecher moderner Glaskunst im Sakralraum ist. Erfüllen die Lüpertz-Fenster für die Kirche St. Elisabeth in Bamberg diesen Anspruch?
Mit der Auflösung der schweren Außenmauern der Kirchenbauten in der Gotik wird das Bleiglasfenster elementarer Bestandteil des Gebäudes. Die Farbigkeit und Erzählfreude der Fenster erlebt eine Renaissance im 19. Jahrhundert und wird in der Moderne erneut aufgegriffen. Herausragende Beispiele entstehen bei den Neu- und Wiederaufbauten der Nachkriegskriegszeit. Unvergleich ist jedoch die Vielfalt der Künstlerfenster, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind.
Der Vortrag von Birgit Kastner zeigt das Farbwunder des Fensters von Gerhard Richter im Kölner Dom (2007), stellt die Achat-Fenster von Sigmar Polke im Großmünster in Zürich vor (2009/10), geht auf die beiden Lüpertz-Zyklen im Querhaus von St. Andreas in Köln (2005-2010) ein, präsentiert die nicht unumstrittene Lösung von Imi Knoebels Messerschnitt-Fenstern in der Kathedrale von Reims (2011-2015) und letztlich die Elisabethenkapelle im Naumburger Dom mit den Fenstern von Neo Rauch (2012).


Ausgewiesene Expertin

Birgit Kastner ist Kunsthistorikerin an der Universität Bamberg mit Forschungsschwerpunkt Sakralbau der Moderne. Im Rahmen ihrer Promotion hat sie sich intensiv mit Glasfenstern des 20. Jahrhunderts und denkmalpflegerischen Fragestellungen im Kirchenbau beschäftigt. Von 2013 bis 2016 war Kastner als Dombergkoordinatorin für die Museen um den Bamberger Dom zuständig. red