von unserem Redaktionsmitglied 
Rudolf Görtler

Bamberg — Man muss nicht so weit gehen, die Fantasie als "dämonisch-mystisch-musikalische Weltverwandlung" anzusehen. Das hat der in London lebende Wolfgang Held (Jahrgang 1933) getan, Schriftsteller, Übersetzer, bildender Künstler, Gelehrter. Held gilt als ausgewiesener Experte für E.T.A. Hoffmann, und das schlägt quasi automatisch eine Brücke nach Bamberg.
Vor gut zwei Jahren ist Helds Schauspiel "Hoffmanns Verbrennung" am Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater in einer "multimedialen szenischen Lesung" auf die Bühne gebracht worden. Das Drama hat Held collagiert aus Versatzstücken der Hoffmann'schen Biografie und seines Werks. Der Kaufmann Graepel kommt darin vor, Hoffmanns Freunde Hitzig und Hippel, seine Frau Mischa, aber auch seine (platonische) Geliebte Johanna Eunicke, sein Erzfeind, der Polizeidirektor Kamptz, und eine Zigeunerin Chiara aus dem "Murr", der Doppelgänger aus den "Elixieren des Teufels" und der österreichische Hofmechaniker Mälzel mit seinem Schachautomaten.
Hoffmann-Kenner werden genießerisch nicken, für alle anderen ist dies alles andere als leichte Kost, schon geeignet, einige Verwirrung zu stiften. Vielleicht eröffnen die 25 Collagen zu "Hoffmanns Verbrennung", von Held als Inspiration für Bühnenbildner und Kostümschneider gefertigt, einen leichteren, intuitiveren Zugang. Noch bis 1. November dieses Jahres sind die Collagen im E.T.A.-Hoffmann-Haus zu sehen. Es ist eine muntere Vermischung zeitgenössischer und moderner Motive, bunt, mit Zitaten aus Hoffmanns Werk betitelt. Der Kaufmann Graepel, der die von Hoffmann angebetete Julia heiratete, wird mehrmals abgebildet als Symbol der verhassten realen Welt, zuletzt ein zerknitterter Hoffmann mit Rabe ("Hoffmann tot"), auf der hinteren Umschlagseite des von der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft und dem Bamberger Kunstverein edierten Katalogs lebt Hoffmann jedoch wieder.
Die Ausstellung wird zur Doppelausstellung: Denn Held hat im vergangenen Jahr einen Kafka-Zyklus geschaffen. 27 Collagen sind in Vitrinen unter den Arbeiten zu Hoffmann untergebracht. Stilistisch ganz ähnlich, war doch der Prager Schriftsteller ein Meister abgründiger Fantastik, etwa bei den Tier-Mensch-Kreuzungen ("Die Verwandlung", "Ein Bericht für eine Akademie").

Die Ausstellung ist zu sehen Di.-Fr. 15-17, Sa./So./Feiertage 10-12 Uhr. Eintritt frei. Ein Katalog (vier Euro) zu den Hoffmann-Collagen sowie der Text (sechs Euro) von "Hoffmanns Verbrennung" sind im E.T.A.-Hoffmann-Haus zu erwerben.