Echte Nachrichten oder Fake News? Das war nicht nur für die User der Facebook-Gruppe "Verkaufe/Suche Mürscht & Umgebung" am Donnerstag die Frage, als sie auf ihrer Plattform in einem Beitrag von der angeblichen Vergewaltigung eines Mädchens an der Aral-Tankstelle lasen. Mehr als 120 Posts wurden zu diesem Thema abgesetzt. Auch die Bad Kissinger Polizei wurde mit der Facebook-Story konfrontiert.
"Liebe Leute, bin auf eure Hilfe angewiesen", schreibt der Autor. Am 31. Januar sei an Münnerstadts Tankstelle um 20.30 Uhr "ein Mädchen von zwei Asylanten vergewaltigt" worden, behauptet der Verfasser und bittet um Hinweise.
Die Redaktion recherchierte die Fakten: Der Polizei wurde kein solcher Vorfall gemeldet, sagt Bad Kissingens Polizeichef Stefan Haschke. Allerdings sei man am Donnerstag immer wieder mit Gerüchten über ein angebliches Vergehen in Münnerstadt konfrontiert worden, sagt Haschke und spricht die Postings der Facebook-Gruppe an. Wie man mit solchen Falschmeldungen umgehen soll, das werde derzeit bei der Polizei diskutiert, sagt Haschke.


Kein Vorfall an der Tankstelle

Jürgen Kernwein, Leiter der der Aral-Tankstelle in Münnerstadt, ist sich sicher: "An der Tankstelle oder in Sichtweite ist nichts gewesen, das hätten wir mitbekommen." Ob die Facebook-Diskussion die Öffentlichkeit erreichte, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die Beraterin der Caritas, die am Freitag Dienst in der Münnerstädter Unterkunft für Asylbewerber hatte, war von den Gerüchten überrascht. Vermutlich hätte sie es erfahren, sagt sie, wenn die Heimbewohner mit solchen Fake News konfrontiert gewesen wären.


Urheber hält sich zurück

Der Urheber des Posts über die angebliche Vergewaltigung hält sich während der Diskussion auffallend zurück. Erst als dies einem der Gruppenmitglieder auffällt, meldet er sich wieder zu Wort und gibt eine eher allgemeine Beschreibung der Personen ab, die er angeblich sucht. Schließlich mischt sich eine Administratorin der Facebook-Gruppe ein: "Ich als Admin lösche das jetzt, denn wenn was dran wäre, würde es ja in der Zeitung stehen." ikr/kt