von unserem Redaktionsmitglied 
Norbert Felgenhauer

Sand — Selten wohl hat es so viel Spaß gemacht, Präsident des FC Sand zu sein, wie in diesen Tagen. Egbert Mahr, seit vielen Jahren in diesem Amt, strahlt Zufriedenheit aus. "Wir sind ein gewachsener Verein. Wir reden nicht, wir arbeiten, und wir haben uns in den letzten zehn Jahren viel Neues aufgebaut", sagt er über seinen Club. Am augenfälligsten wird dies beim Erfolg der Ersten Mannschaft. Ihr Aufstieg in die Bayernliga ist die vorläufige Krönung dieser Erfolgsphase.
Doch das ist nur ein Aspekt, wenn auch wohl der wichtigste. "Die Dritte Mannschaft ist auch aufgestiegen, in die Kreisklasse, die Zweite hat in der Kreisliga den Umbruch geschafft und eine sehr erfolgreiche Rückrunde hingelegt. Bei uns spielen rund 130 Jugendliche, in der Nachwuchsabteilung wird hervorragende Arbeit geleistet", erläutert Mahr. Seit einigen Monaten steht dem FC ein Kunstrasenplatz zur Verfügung, den die Gemeinde ermöglicht hat. Und die gesamte Sander Sportanlage gehört zu den schönsten in der Landesliga und braucht sich auch vor den Plätzen der künftigen Bayernliga-Konkurrenten nicht zu verstecken.
Eitel Sonnenschein also beim FC Sand - aber dahinter stecken ein Plan und harte Arbeit. Dafür steht nicht zuletzt der Erfolg der "Ersten". "Das war eine Riesensaison", sagt Trainer Bernd Eigner. Der Ex-Profi verweist auf den Druck, der in der gesamten Saison auf der Mannschaft gelastet habe. Fast immer in der Verfolgerrolle hinter Meister DJK Bamberg, lange Zeit gejagt vom Dritten TSV Abtswind, der erst in der Saisonendphase zurückfiel, gingen die Sander in fast jede Partie mit dem Wissen, gewinnen zu müssen. Und das taten sie auch in 27 von 34 Partien. Auch, als mit Peter Heyer am letzten Spieltag vor der Winterpause der Liga-Toptorschütze mit einem Beinbruch ausfiel. Auch, als Kapitän Daniel Rinbergas mit einem Kreuzbandriss die Relegation verpasste. Und auch, als weitere Verletzungen, beispielsweise von Thorsten und Danny Schlereth, Lucas Wirth, Stefan Wasser oder André Karmann, den Trainer immer wieder zu Umstellungen zwangen.

Teamgeist und Ordnung

Dafür, dass die Mannschaft dies wegstecken konnte, haben die sportlich Verantwortlichen vor der Saison gesorgt. Etliche Neuzugänge kamen nach Sand, davon einige wie Florian und Josef Pickel, Sven Wieczorek, René Finnemann oder Heyer mit Regionalliga-Erfahrung. Daraus, dass der FC Sand um die vorderen Plätze mitspielen wollte, machte er keinen Hehl, "aber wir wussten, dass Abtswind wieder stark sein würde, auch mit der DJK Bamberg, Höchberg oder Neustadt/Aisch war zu rechnen", sagt Mahr. Dass es mit dem Aufstieg geklappt hat, "das freut mich umso mehr, denn es ist eine Super-Bayenliga in der nächsten Saison."
Als Grundlagen für den Erfolg sieht Eigner, der vom SV Memmelsdorf nach Sand kam und dort Erwin Albert ablöste, der seine Laufbahn beendet hat, "den Teamgeist und die Ordnung" in der Truppe. "Jeder hat sich dem Erfolg der Mannschaft untergeordnet", sagt er. Den Mannschaftsgeist lobt auch sein Präsident und sagt: "Wir haben zwar erfahrene Spieler geholt, aber daraus muss man erst einmal eine Mannschaft machen. Und das hat Bernd Eigner bestens geschafft." Dieser sei zwar ein Kumpeltyp und nahe an den Spielern, aber auch leistungsbewusst und konsequent.
Eigner, sein Assistent Matthias Bayer (Mahr: "Er ist vor allem ein Top-Torwarttrainer und hat jeden Torwart, der zu uns gekommen ist, besser gemacht) sowie die Spielleiter Erich Barfuß und Stefan Schmitt hätten ein Gespann gebildet, bei dem sich die Spieler wohl gefühlt hätten, "das hat einfach alles gepasst", sagt der Präsident, "denn wenn das nicht so gewesen wäre, hätten wir niemals 85 Punkte holen können. Diese Zahl sagt doch schon alles aus."
Mit diesen Erfolgen im Rücken, gewohnt an den Druck, immer siegen zu müssen, war der FC Sand auf die Relegation gut vorbereitet, "so gesehen war das schon ein Vorteil für uns", weiß Eigner. Mit vier weiteren Siegen nahm sein Team auch diese Hürde souverän.
Rund 250 zahlende Zuschauer lockte die Sander Siegesserie gerade zu Hause, wo die Mannschaft ungeschlagen blieb (einschließlich Relegation 19 Siege und zwei Unentschieden), im Schnitt ins Seestadion. Damit waren die Sander in dieser Hinsicht Ligaspitze. "Ich freue mich sehr, dass wir unseren Fans etwas bieten konnten, und hoffe natürlich, dass sie uns auch in der Bayernliga so unterstützen, auch wenn wir da wahrscheinlich ein paar Spiele mehr verlieren werden", sagt der Präsident.
Tore von Peter Heyer werden die Besucher allerdings nicht mehr bejubeln können, denn nach seinem komplizierten Beinbruch könne der Torjäger nicht mehr Fußball spielen, erklärt Mahr. Mit Daniel Rinber-gas sei nach dessen Kreuzbandriss vor der Winterpause kaum zu rechnen. Den Verein verlassen René Finnemann (Karriereende), Schlussmann Max Schanz (Ziel noch unbekannt) und Stefan Wasser, der sich nach einer starken Saison beim Drittliga-Aufsteiger Würzburger Kickers durchsetzen will.

Zwei Neuzugänge stehen fest

Mit Abwehrspieler Daniel Krüger (22) vom SV Memmelsdorf und Torwart Simon Mai (19) von den FT Schweinfurt stehen zwei Neuzugänge mit Perspektive bereits fest. Drei bis vier weitere Leute möchte der FC Sand, wie der Präsident erklärte, noch holen, um für die Bayernliga gut gerüstet zu sein. Denn was ein breit aufgestellter Kader wert ist, haben die Sander spätestens in der abgelaufenen Saison schätzen gelernt.
Dass in der Relegation alle "Schleuderplatz"-Inhaber der Bayernligen abgestiegen sind, deutet darauf hin, dass die Spitzenteams der Landesligen vom Niveau in der zweithöchsten Amateurliga nicht weit entfernt sind. Dennoch sind sich Präsident und Trainer einig, dass das Saisonziel für den FC Sand nur Klassenerhalt lauten kann. "Es wäre natürlich schön, wenn wir möglichst schnell auch in der kommenden Saison ein paar positive Ergebnisse hätten und gar nicht in die Abstiegszone rutschen würden", sagt Eigner.
Am Mittwoch, 24. Juni, 17 Tage nach dem letzten Relega-tionsmatch, bittet der Trainer sein Team wieder auf den Platz. Schon am 4. Juli steht daheim gegen den Bayernliga-Konkurrenten TSV Aubstadt im Pokalwettbewerb das erste Pflichtspiel an, am Wochenende 17. bis 19. Juli startet die Bayernliga Nord. Mahr freut sich auf zahlreiche Derbys wie gegen FC Eintracht Bamberg, TSV Großbardorf, DJK Bamberg, TSV Aubstadt oder Jahn Forchheim - momentan macht es Spaß, Präsident des FC Sand zu sein.