Eine angespannte Stimmung herrscht am Donnerstagabend im Vereinsheim des FC Eintracht Bamberg. Etwa 150 Mitglieder sind gekommen, viele von ihnen Eltern von Jugendfußballern, die im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Klubs gegen den Ball treten. Sie wollen endlich wissen, wie schlecht es wirklich um "ihren" Bamberger Fußballverein steht. An diesem Abend bekommen sie die traurigen Antworten.
Der Klub, informiert der kommissarische Vereinschef Jörg Schmalfuß, stehe kurz vor dem Aus. Seit der letzten Insolvenz 2010 wurden Verbindlichkeiten von 440 000 Euro angehäuft. "Eine unfassbare Zahl", sagt Schmalfuß gegenüber dieser Zeitung. Über 270 000 Euro müssten davon bis 30. Juni zurück gezahlt werden. "Die Situation ist aktuell nahezu aussichtslos. Derzeit muss man davon ausgehen, dass wir zeitnah ein geordnetes Insolvenzverfahren in die Wege leiten müssen", fügt Schmalfuß an.
Erst nach dem Rücktritt von Präsident Mathias Zeck Anfang März habe die aktuelle Vorstandschaft die Konten vollständig prüfen können. Und dabei seien erschreckende Details zutage getreten. "Wir haben beispielsweise eine unbezahlte Rechnung aus dem Jahr 2013 gefunden", so Schmalfuß. Auf die Gläubiger sei man ganz bewusst zugegangen. "Teilweise waren sie froh, dass sich überhaupt jemand meldet. Sie hatten mit der Sache schon abgeschlossen."
Zeck und seine Familie haben in der Vergangenheit viel für den Verein getan. Erst vor kurzem habe der Ex-Präsident laut Informationen dieser Zeitung 40 000 Euro nachgeschossen. Aber Zeck hinterließ trotz dieser Sonderzahlungen einen Scherbenhaufen. Schmalfuß meint: "Die Zahlen, die wir bekommen haben, waren nicht im Ansatz die, die wir letztlich vorgefunden haben." Von Transparenz könne daher keine Rede sein, man prüfe deshalb auch ein mögliche Haftungsfrage. Das würde bedeuten, dass die neue Vereinsführung die alte anzeigen würde. Denn die schlimme Lage war wohl schon im Sommer vergangenen Jahres abzusehen. Doch der frühere Vereinschef habe es versäumt, die Vereinsgremien rechtzeitig zu informieren. "Es war unmöglich, Konteneinsicht zu bekommen", sagt Schmalfuß, der natürlich auch darüber nachdenkt, inwiefern man das Dilemma habe erkennen müssen. "Natürlich hinterfragen auch wir uns, das ist klar. Aber es war eben ein Grundvertrauen da."
Was sagt der frühere mächtige Mann des FC Eintracht zu den Vorwürfen? Mathias Zeck ist derzeit im Urlaub. Sein Anwalt, Martin Reymann-Brauer aus Erlangen, stellt fest: "Mein Mandant bedauert die wirtschaftliche Situation des Vereins, weist es aber von sich, dass er derjenige ist, der dies zu vertreten hat. Er und seine Familie haben in den vergangenen Jahren einen hohen sechsstelligen Betrag in den Verein gesteckt. Mein Mandant hat sich keine Unkorrektheit vorzuwerfen. Ich sehe zudem keinen Haftungstatbestand."
Die Liste der Gläubiger ist lang. Bei den Stadtwerken sind Forderungen von 406 Euro offen und auch gegenüber der Stiftung TSV Eintracht Bamberg wurden Mieten für das Vereinsgelände anscheinend nicht beglichen. Schlimmer wiegt zudem die Tatsache, dass auch der Bayerische Fußballverband auf Gelder wartet. Es soll sich um 4700 Euro handeln. Wird nicht bald überwiesen, könnte das zur Folge haben, dass der Verband die Mannschaften des FC Eintracht Bamberg sofort aus dem Spielbetrieb nehmen könnte.
Anfang kommender Woche wollen sich die Verantwortlichen des Bayernligisten zusammensetzen und (womöglich) die geordnete Insolvenz in die Wege leiten. Ein Fünkchen Resthoffnung bestehe noch, allerdings seien die Chancen minimal. "Sicherlich könnte man die Gesamtsumme reduzieren. Aber wir bräuchten einen Geldgeber, der den Großteil stemmt", hofft Schmalfuß. Gespräche habe es mit vielen potenziellen Gönnern gegeben. "Viele wollen helfen. Aber verständlicherweise ist niemand bereit, für die Fehler anderer einzustehen."
Unabhängig vom Insolvenzverfahren soll der Spielbetrieb, wenn möglich, bis zum Ende der Saison aufrecht erhalten bleiben. Schmalfuß macht keinen Hehl daraus, dass die aktuelle Situation mehr als tragisch ist: "Wir haben ein tolles Nachwuchsleistungszentrum, die Jugendmannschaften arbeiten vorbildlich und auch die 1. Mannschaft war bereit, uns entgegenzukommen. Es wäre sehr traurig, wenn das alles vorbei wäre. Der Verein an sich lebt."