von unserem Redaktionsmitglied 
Anette Schreiber

Sassanfahrt — Eine Außenanlage wie aus einem Fachmagazin, darauf ein prächtig inszenierter alter Bau mit hochfunktionalem Inneren. "Wohnt da der Eigentümer drin?", wollte der vom schmucken Sassanfahrter Schloss sichtlich angetane bayerische Generalkonservator Mathias Pfeil bereits beim Durchschreiten der gepflegten Außenanlage wissen.
Schmunzelnd erklärte Bürgermeister Klaus Homann daraufhin, dass Annette Schäfer, die Kreisheimatpflegerin und Hirschaider Museumsleiterin sowie Geschäftsführerin der Kunst- und Kulturbühne, hier sozusagen die Hausherrin sei.
Und mindestens noch einmal kam der oberste bayerische Denkmalschützer ins Schwärmen: beim Blick aus dem Fenster des großen Saals: Von dort blickt man auf nicht auf eine graue, sondern eine blaue (Wasser)Straße, den Main-Donau- Kanal.
Zuerst gewirkt hat in Sassanfahrt der Reichsgraf Julius von Soden, auf den der schöne Bau (der vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt) zurückgeht. Ausgebaut und erweitert wurde die Anlage von seinen Nachfahren, der Familie von Pflummern. Vor einigen Jahren hat die Marktgemeinde Hirschaid das Denkmal erworben. Seit 2011 jedenfalls wurde es saniert und vor kurzem eingeweiht.
Zuletzt hatte es als Mietshaus mit fünf Wohnungen fungiert. Vermieten wird der Markt Hirschaid das Gebäude nicht mehr in der bisherigen Weise. Denn künftig wird die Immobilie als Kultur- und Bildungszentrum genutzt. Dafür hat der Hirschaider Kunst- und Kulturbühnen-Verein das Konzept erarbeitet. Ein Aspekt, der dem obersten Denkmalschützer auf dieser Station seiner Tour durch die Region Bamberg besonders gefiel.
Weitere Stationen für Pfeil waren neben den bereits vorgestellten (Burg Lisberg und das ehemalige Amtsschloss Burgwindheim) außerdem noch die marode Stadtmauer in Scheßlitz, das älteste Fachwerkhaus des Landkreises in Baunach sowie die instand gesetzte historische Kelleranlage in Unterhaid.
CSU-Landtagsabgeordneter Heinrich Rudrof, der diese Kennenlern-Tour mit weiteren Experten aus der Region Bamberg initiiert und organisiert hatte, verwies in Sassanfahrt auf Förderungen über den Entschädigungsfonds und die Bayerische Landesstiftung.
Nach der Sanierung soll das Schloss wieder Mittelpunkt des Hirschaider Gemeindeteils Sassanfahrt werden, der Bevölkerung für private Feiern und Feste zur Verfügung stehen, aber auch für Bildungsangebote wie etwa Seminare offen stehen, erläuterte Annette Schäfer. Sie wies allerdings auch auf die derzeit kontroverse Diskussionen über das erarbeitete Konzept des Vereines hin. Was der Generalkonservator nicht so recht nachvollziehen konnte. Besonders stolz ist der Bürgermeister übrigens auf die Möglichkeit, Trauungen im Schloss vollziehen zu können. Schlafräume gebe es aber nicht zu mieten, erklärte er auf eine eher launige Nachfrage aus der Entourage.
Annette Schäfer, die das Schlossprojekt von Anfang an seitens der Marktgemeinde Hirschaid betreut und begleitet, machte deutlich, dass diese Einrichtung freilich auch eine gewisse Anlaufzeit benötigen werde. Landrat Hans Kalb (CSU) wurde nicht müde, das Engagement Schäfers zu würdigen: "Ohne sie wäre dieses Projekt nicht so zusammen gekommen sein!" Diesem Lob schloss sich auch Denkmal-Tour-Guide Rudrof an. Er sagte ihr nicht nur Dank, sondern auch weiterhin Unterstützung zu.