von unserem Mitarbeiter Dirk Meier

Memmelsdorf — Die Lage beim SV Memmelsdorf ist derzeit alles andere als rosig. Die Oberfranken stehen mit nur drei Punkten auf dem letzten Platz in der Fußball-Bayernliga Nord und haben als einziger Klub dieser Liga noch kein Spiel gewonnen. Das knappe 0:1 daheim gegen den FC Amberg am letzten Samstag war bereits die zehnte Niederlage, dreimal wurde bisher unentschieden gespielt. Trainer Hans-Jürgen Heidenreich (47), der die Mannschaft erst zu Saisonbeginn übernommen hat, ist nicht zu beneiden. Denn der Ex-Profi, der für den 1. FC Nürnberg, Hessen Kassel und den VfB Leipzig gespielt hat, muss immer wieder neue Baustellen beseitigen.
Heidenreich, der im Ortsteil Thüngfeld in der Gemeinde Schlüsselfeld wohnt, hat mit seinem jungen Team reichlich Arbeit: "Es ist immer wieder etwas anderes", sagt der Coach, der 1987 mit der U20-Nationalmannschaft in Chile unter Trainer Berti Vogts Vizeweltmeister nach einer Endspiel-Niederlage gegen Jugoslawien (1:1, 5:4 n.E.) geworden ist und der zuletzt erfolgreich den Regionalligisten FC Eintracht Bamberg trainiert hatte. Aber Heidenreich gibt nicht auf, wenngleich die Aufgabe schier unlösbar erscheint: "Wenn man sich für diese Aufgabe entschieden hat, dann soll man das auch durchziehen", so seine Devise.

"Das geht auch an die Psyche"

Dass es eine schwierige Saison wird, das war allen Beteiligten schon vor dem Start im Juli klar: "Wir haben im Sommer neun Bayernliga-Spieler verloren und mussten die Lücken mit eigenen U19-Spielern oder Akteuren aus der zweiten Mannschaft aus der Bezirksliga schließen. Da fehlt einfach die Erfahrung, und da schleichen sich immer wieder Fehler ein, die dann meist Folgen haben", erläutert der Memmelsdorfer Chefanweiser. Für ihn ist eine wichtige Aufgabe, die vielen Youngster nicht nur bei Laune zu halten, sondern sie auch immer wieder aufzubauen. "Das geht ja alles auch an die Psyche", erklärt Heidenreich.
Es ist also von Trainerseite her eine echte Sisyphusarbeit, die bei jeder Einheit zu leisten ist: "Es gibt kleine Fortschritte zu sehen. Wir sind manches Mal schon knapp dran, aber es hat bisher eben noch nicht zum ersten Sieg gereicht." So zum Beispiel in Haibach, als der SVM zweimal führte, drei Tore schoss, am Ende aber ohne sieben Stammspieler mit 3:4 verlor.
Denn das Verletzungspech kommt hinzu, bis zu neun Spieler haben schon an einem Spieltag gefehlt: "Das macht die Sache natürlich noch schwieriger."
Leider ist es so, bedauert Heidenreich, dass eine lenkende Hand fehlt, einer, der das Spiel in die Hand nimmt, der quasi als verlängerter Arm des Trainer auf dem Platz fungiert.
"Es ist schwer, denn zuletzt war unsere Offensive auf dem Platz im Schnitt jünger als 20 Jahre. Da sind Fehler einfach normal." Dennoch sieht Heidenreich auch einiges positiv: "Es ist sicher für die Jungen ein Vorteil, auf einem so hohen Niveau wie in der Bayernliga zu lernen. Aber das birgt eben auch die Gefahr, dass der kleinste Fehler sofort bestraft wird. Weil es eben oft Dinge sind wie die Zweikämpfe oder auch das taktische Verhalten. Daran arbeiten wir bei jeder Trainingseinheit."
Und wie geht Heidenreich mit seiner Rolle als Trainer beim Schlusslicht um? "Schlimmer kann es, was die Tabelle angeht, nicht mehr werden. Also dürfen wir nicht aufgeben, müssen alles versuchen, damit wir den Klassenerhalt vielleicht doch noch schaffen." Ob es dann bald klappt mit dem ersten Saisonsieg? "Gute Frage, aber die kann ich auch nicht beantworten. Wir waren einige Male schon knapp dran."
Als Zwischenfazit lässt sich Hans-Jürgen Heidenreich, der im Trainergeschäft als akribischer Arbeiter gilt, entlocken: "Unser Fußball ist schon besser geworden als zu Saisonbeginn, aber es hat eben noch nicht ganz für den ersten Sieg gereicht."