Thomas Schwesinger, Geschäftsführer des Regionalverbandes Coburg des Arbeiter-Samariter-Bundes, und seine Familie übernehmen seit einigen Jahren das Schul- und Kindergartengeld für zwei Kinder in Kenia. Zustande gekommen ist die Verbindung zu den Geschwistern Gisela und Bernd durch eine Urlaubsbekanntschaft.
Vor fünf Jahren machte Thomas Schwesinger in dem ostafrikanischen Land Urlaub. "Wir haben eine Mitarbeiterin aus Kenia. Sie hat 15 Jahre in Mombasa gelebt und ist seit zehn Jahren schon beim ASB", erzählt er. Die Frau wollte wieder ihr Heimatdorf in Kenia besuchen, "und da haben wir sie und ihre Tochter halt mitgenommen." Außerdem, so der ASB-Geschäftsführer, sei es kein Nachteil, jemanden dabei zu haben, der fließend die Landessprache Swahili spricht. Durch die Übersetzerdienste der Mitarbeiterin kam eine Freundschaft mit Ober Patrick Shamalla im Hotel zustande. Dessen Frau war schwanger, jedoch konnte Patrick eine ärztliche Untersuchung nicht bezahlen. "Das kann man sich bei uns nicht vorstellen", sagt Thomas Schwesinger. "Die Frau ist im siebten Monat schwanger und war noch bei keiner Untersuchung." Umgerechnet hätte der Arztbesuch 17 Euro gekostet. "Da habe ich ihm heimlich 20 Euro zugesteckt, denn die Hotelangestellten dürfen kein Bargeld annehmen, auch kein Trinkgeld."
Erst einige Tage später erschien Patrick wieder auf der Bildfläche "und hat überglücklich einige Ultraschall-Aufnahmen gezeigt." Die Freude über die bevorstehende Geburt des Sohnes sei unendlich groß gewesen. Seit fünf Jahren gibt es in Kenia nun einen kleinen Bernd Shamalla, der auf den Vornamen von Schwesingers Bruder getauft wurde.
Die Schwesingers besuchten während ihres Urlaubes in Kenia auch die Schule der älteren Schwester Gisela. "Das waren zwei Räume mit klapperigen Möbeln und einer Tafel. Die Kinder haben einen riesengroßen Ehrgeiz und wollen unbedingt zur Schule gehen", beschreibt Thomas Schwesinger die Situation. Schließlich sei Bildung die einzige Chance für ein besseres Leben. Aber Schule in Kenia kostet die Familien Geld. 40 Euro im Quartal bei einem Monatseinkommen als Ober von 30 Euro sind viel. Und wenn das Geld zwei Tage zu spät auf dem Konto der Schule eingeht, dann werden die Kinder zwei Tage nicht unterrichtet. Lang hat Thomas Schwesinger mit sich gerungen, "aber in Afrika herrscht große Not und direkt daneben gibt es großen Reichtum, da wollte ich wenigstens dem kleinen Bernd eine bessere Zukunft ermöglichen." Dass er nicht alle Not lindern kann, bereitete anfangs dem ASB-Geschäftsführer mentale Probleme.
Nach wie vor nicht ganz ohne Probleme gehen die Geldüberweisungen von Coburg nach Kenia vonstatten, abgesehen von den Kosten von 28,50 Euro für jede Überweisung. "Anfangs habe ich einen 50-Euro-Schein per Brief zur Post gegeben. Der erste Brief kam an, der zweite schon nicht mehr", erinnert sich Thomas Schwesinger. Die Bank in Coburg sei bei der ersten Transaktion überfordert gewesen. Bei der letzten Überweisung galt es, eine weitere Klippe zu umschiffen: "Damit Patrick an sein Geld kommt, will die afrikanische Bank jetzt eine Bestätigung. Deshalb wird der Beleg von hier eingescannt und per E-Mail nach Afrika gesendet." cw