Josef Hofbauer

Die Zerstörung eines Umweltparadieses prangert Christian Kier, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Ebermannstadt, an. Es hätte schonendere Möglichkeiten gegeben, die zwei Dutzend kirchturmhohen Bäume entlang der Wiesent zwischen den Stadtwerken und der Einmündung des Mühlbaches zu entfernen, findet Kier. Er mahnt dringend Ersatzmaßnahmen an.
"Ich gebe schon zu, dass es hier im Moment nicht besonders schön aussieht", räumt Flussmeister Albert Groh vom Wasserwirtschaftsamt Kronach ein. "Aber die Sicherheit hat Vorrang", findet Groh, der ursprünglich wegen des Hochwasserdeiches, der die Stadtwerke Ebermannstadt schützt, vor Ort war. Dieser Deich war mit Bäumen bewachsen. Das darf nach den geltenden Richtlinien nicht sein. Der Bewuchs musste entfernt werden.
Dabei sah sich Groh auf dem 70 Meter langen Uferstreifen neben der Wiesent um. "Ich stellte fest, dass die Eschen und Fichten alle kopflastig waren. Das heißt, alle neigten sich Richtung Wiesent bzw. Richtung Bundesstraße. Da das Wurzelwerk der 30 bis 40 Meter hohen Bäume ausnahmlos unterspült war, musste ich handeln", erklärt Groh.
Er beauftragte Vorarbeiter Andreas Betz und sein Team, die Bäume zu fällen. "Die Zeit drängte", berichtet Groh, denn ab 1. März dürfen laut Naturschutzgesetz keine Bäume mehr gefällt werden. Damit die Arbeit in der Kürze der Zeit zu schaffen war, wurde schweres Gerät eingesetzt. Immerhin ergaben die Bäume rund 40 Festmeter Brennholz. Die Äste werden in den nächsten zwei Wochen klein gehäckselt. Bei den Arbeiten sicherte Peter Scheinost, Leiter der Straßenmeisterei Forchheim, die Baustelle an der Bundesstraße.


Der Umsturzgefahr vorbeugen

Die letzten drei Bäume, eine Fichte und zwei Eschen, werden am 29. Februar gefällt. "Das habe ich mir vom Landratsamt ausdrücklich genehmigen lassen", betont Flussmeister Albert Groh, der für den Unterhalt von 270 Kilometern Gewässer und 40 Kilometer Deiche zuständig ist. Vor allem die Fichten stellten ein Problem dar. Legt der Wind so einen Flachwurzler um, reißt der andere Bäume mit sich. "Fallen die Stämme ins Wasser, wird das Wehr versperrt, das Wasser staut sich auf und überflutet alles", begründet Groh die hurtig durchgeführten Baumfäll-Arbeiten. Abgeholzt werden musste auch die Fichtenhecke der Stadtwerke, die auf dem Deich gepflanzt war. "Schade", findet Jürgen Fiedler, der Leiter der Stadtwerke Ebermannstadt. Aber an den Vorschriften sei nun einmal nicht zu rütteln.
Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) kann die Proteste des Bundes Naturschutz nachvollziehen. "Grundsätzlich finde ich es positiv, dass die Menschen n nicht alles gleichgültig hinnehmen", so Meyer, die von der Verkehrssicherungsmaßnahme bereits Anfang dieses Monats in Kenntnis gesetzt wurde. Das Ausmaß der Arbeiten sei ihr aber in vollem Umfang nicht bewusst gewesen.
Angesichts der tiefen Furchen auf dem schlammigen Ufer räumt Flussmeister Albert Groh ein, dass Nachbesserungsarbeiten wohl notwendig seien. Ein Landschaftspfleger werde beauftragt, der das Areal wieder in Ordnung bringt und standorttypische Gehölze nachpflanzt. Zehn, zwölf Bäume, gerne auch größere, sollen für eine Befestigung des Uferstreifens sorgen. Und die Erlen treiben ja auch wieder aus.
Dass mit der Fäll-Aktion der Lebensraum des Eisvogels beeinträchtigt wurde, wie der Bund Naturschutz geklagt hatte, kann Groh nicht nachvollziehen. "Der Eisvogel bevorzugt steiles Gelände. Das haben wir hier nicht. Der kommt höchstens hierher, um sich Nahrung zu holen."