von unserem Mitarbeiter  Stephan Stöckel

Burkheim — "Sag Angela, warst du beim Friseur?" Angela Stenglein fühlt sich geschmeichelt und zeigt ihrem Idol Tobias Thomann den dunkelblonden Pagenschnitt. Die 38-jährige Kulmbacherin und der Dorfrocker-Sänger kennen sich. "Ich habe bereits 200 Konzerte mit meiner Lieblingsband, den Dorfrockern, erlebt", erzählt sie voller Stolz.
Gemeinsam mit rund 50 anderen Musikliebhabern und den drei Brüdern Markus (Akkordeon und Bass), Tobias (Gesang und akustische Gitarre) und Philipp Thomann (elektrische Gitarre) schnürte sie am Samstagnachmittag die Wanderschuhe. Bei einem halbstündigen Spaziergang am Fuße des Kordigasts wird über Gott und die Welt geplaudert, kommen sich Fans und Musiker näher.
Zwei Stunden später begeistert das Trio rund 2000 Fans mit einer ausgelassenen Show im ausverkauften Festzelt der Feuerwehr Burkheim, die 125-jähriges Bestehen feierte.

Texte aus dem Leben gegriffen

Was schätzen Angela Stenglein und ihre 13-jährige Tochter Lea an den Musikern aus dem unterfränkischen Kirchaich? "Sie sind bodenständig und überhaupt nicht eingebildet - einfach natürlich", sagt die 38-Jährige. Sie mag aber auch die Musik, bei der man prima abschalten könne, und die aus dem Leben gegriffenen Texte. "Als es meinem Mann und meiner kleinen Tochter gesundheitlich nicht so gut ging, haben mir die Dorfrocker mit ihrem Lied Auf das Leben aus der Seele gesprochen und Mut gemacht."
Auch die Dorfrocker genießen das Bad in der Fan-Menge, schlendern bei hochsommerlichen Temperaturen durch die wunderschöne Landschaft am Obermain rund um Burkheim. Die ursprünglich geplante Wanderung zum Kordigast lässt der straffe Zeitplan jedoch nicht zu. Während sich andere Stars vor ihren Fans geradezu abschotten, suchen die drei Unterfranken den Kontakt zu den Liebhabern ihrer Musik.
"Für mich gilt die Devise: Jeder ist ein Mensch. Nur weil wir berühmt sind, sind wir noch lange nichts Besseres als unsere Fans. Warum sollen wir uns vor ihnen verstecken?", sagt Tobias Thomann. Zudem verrät er, dass der Raum Kunstadt für ihn kein weißer Fleck auf der Party-Landkarte ist: "Als wir noch 19 oder 20 Jahre alt waren, fuhren wir ab und an von den Haßbergen, wo wir wohnen, nach Burgkunstadt in die Discothek Queens zum Tanzen."
An diesem Abend gehen die Jungs nicht aufs Tanzparkett, sondern lassen ihre Fans zu den Liedern ihres neuen Albums "Holz" tanzen. Im Feststadel mit seiner holzvertäfelten Bühne brennt die Hütte, herrscht von Anbeginn an Hochstimmung. Kein Wunder, geben doch die drei Musiker dem Publikum mit alten und neuen Hits wie "Das Bier schmeckt gut" oder "Vogelbeerbaum" ordentlich Zunder.
Obendrein werden die Fans, die es nicht mehr auf den Bänken hält, immer wieder zu Komparsen in dem musikalischen Spiel aus überschäumender Lebenslust und romantischen Verschnaufpausen. Die Besucher schunkeln ausgelassen mit, rufen freudig und unentwegt "Zicke, Zacke", gehen in die Hocke, um auf das Kommando von Akkordeonist Markus Thomann in die Höhe zu springen.