Schweinfurt — Zu seinem 100. Geburtstag am 16. März 2013 sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung, dass es zwar kein Vergnügen sei, hundert Jahre alt zu werden, "aber man muss glücklich sein, wenn man überhaupt noch mitreden kann". Dass Fritz Glöckle dies konnte, bewies er noch viele Monate. Nun ist Glöckle im stolzen Alter von 101 Jahren gestorben.
Fritz Glöckle wurde ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkriegs in Würzburg geboren. Er besuchte dort die Oberrealschule und studierte nach dem Abitur an der Technischen Hochschule Stuttgart, wo er 1936 sein Examen als Diplom-Ingenieur mit "sehr gut" ablegte. Anschließend war er in einem Stuttgarter Unternehmen tätig. Das Baugeschäft des Vaters übernahm er im Jahr 1940. Da war schon seit einem Jahr Krieg. Auch Fritz Glöckle wurde eingezogen und am 20. Juni 1942, dem Tag, an dem er seine Hella heiratete, an die Ostfront abkommandiert.
Als er zurückkam, lag alles in Trümmern. Nur ein Lastwagen und ein Bagger waren übrig. Der Vater dreier Kinder schaffte es mit Ausdauer und kontinuierlichem Augenmaß, das Unternehmen zu einem der größten und leistungsfähigsten in Unterfranken aufzubauen. Er gab vielen Menschen einen sicheren Arbeitsplatz. 1988 übergab er die Firma im Alter von 75 Jahren an seinen Sohn Klaus. Der Unternehmer, dem soziale Gerechtigkeit stets ein Anliegen war, stellte sich auch über Jahrzehnte für zahlreiche Ehrenämter zur Verfügung. Er gehörte zwölf Jahre lang dem Stadtrat an, war in vielen Gremien des Handwerks, der Bauwirtschaft, als Schöffe bei Gericht und die der AOK tätig. Dieses große Engagement wurde mit einer Fülle von Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt, von denen an dieser Stelle nur das Bundesverdienstkreuz, die Stadtmedaille, das Goldene Handwerksabzeichen und die Ehrennadel des Landesverbandes Bayerischer Bauinnungen genannt sein sollen.

Großer Kunstfreund

Fritz Glöckle war auch ein großer Kunstfreund. Er baute sich mit der Zeit eine kostbare Sammlung russischer Ikonen auf. 2001 übergab er diese nach jahrelanger Dauerleihgabe endgültig in die Obhut der Stadt und stellte damit seine besondere Verbundenheit mit Schweinfurt einmal mehr unter Beweis. Die Ikonensammlung Fritz Glöckle bietet in drei Räumen im Gunnar-Wester-Haus einen Einblick in die sakrale russische Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts.Seine letzte Ruhe wird Fritz Glöckle, der auch Großvater und Urgroßvater war, auf dem Schweinfurter Hauptfriedhof finden. Die Beerdigung ist am Montag, 20. Oktober, um 11 Uhr. Die Familie bittet, von Beileidsbezeugungen abzusehen, sich aber in die ausliegenden Kondolenzbücher einzutragen. kgh/maw/kör