Das hat sich nicht nur der Trainer des ESC Haßfurt, Martin Reichert, ganz anders vorgestellt. Alle im Haßfurter Eisstadion waren sehr enttäuscht. Bis auf die 17 Spieler des EHC Straubing, ihre Betreuer und natürlich ihr Coach, die nach der Schlusssirene lautstark jubelten. Mit 2:3 (0:0, 2:1, 0:2) verloren die "Hawks" auch das zweite Aufeinandertreffen in dieser Saison mit dem Aufsteiger. Die "Generalprobe" für das große Derby in der Eishockey-Landesliga gegen Spitzenreiter Schweinfurt "Mighty Dogs" ging somit gründlich daneben.
Was noch ärgerlicher ist als die Niederlage an sich: Der Rückstand auf Platz 4, der für den Einzug ist die Zwischenrunde nötig ist und den jetzt überraschenderweise der EHC Straubing einnimmt, ist auf fünf Punkte angewachsen. Dabei war die dritte Null-Ausbeute in Folge völlig unnötig. Nicht nur, weil Martin Reichert personell erstmals fast aus dem Vollen schöpfen konnte. Es waren vor allem die vergebenen Chancen, die dem 52-Jährigen graue Haare bereiteten. "Man kann das Spiel eigentlich gar nicht verlieren", gab der Sylbacher zu Protokoll. "Aber wenn man nicht aufs Tor schießt und spielen will und dazu noch einen schlechten Tag hat, dann ist halt nichts zu gewinnen." Ganz so krass war es freilich nicht. Der Wille, Tore zu erzielen, war durchaus vorhanden. Tormöglichkeiten wie erwähnt ebenso reichlich. Doch die Gäste, die zwei Tage zuvor den ERSC Amberg mit 3:1 bezwungen hatten, setzten sich auch bei zahlreichen Unterzahlsituationen, vor allem im zweiten Abschnitt, effektiv zur Wehr. Die Aktionen der "Hawks" wirkten dagegen wenig durchdacht. Den Sieg der Niederbayern bezeichnete Reichert deshalb als "nicht unverdient."
Insgesamt agierten Straubings 40-jähriger Kapitän Helmut Kößl (spielte unter anderem in der 1. Liga für Ingolstadt) und seine Teamkollegen von Anfang an auf Augenhöhe und erwiesen sich schnell als sehr unbequem. Deshalb schnauften auch nach dem 1:0-Führungstreffer, den Michael Rister nach toller Vorarbeit von Ilja Kinereisch Anfang des zweiten Drittels erzielte (23.), erstmals alle ESCler durch. Topscorer David Franek hatte dann nur zwei Minuten nach dem erstmaligen Ausgleich durch Straubings Fabian Hillmeier (32.) in Überzahl die passende Antwort: 2:1 für die "Hawks" (34.).


Schneller Ausgleich

Doch Sicherheit gab dies wieder nicht. Im Gegenteil: Nach der zweiten Drittelpause sorgte Sven Holland schnell für den erneuten Ausgleich (42.). Als sich im weiteren Verlauf nichts mehr tat und wohl die meisten im Stadion froh waren, sich zumindest ins Penaltyschießen zu retten, dann der Schock: Mit seinem zweiten Treffer brachte Fabian Hillmeier den Gast kurz vor dem Ende erstmals in Führung (59.). Letztlich brachte es auch nichts mehr, dass ESC-Schlussmann Martin Hildenbrand seinen Platz räumte und die "Hawks" dank zweier Hinausstellungen von Straubing in der letzten Minute sogar eine 6:3-Überzahlsituation hatten. EHC-Torwart Benedikt Hof war nicht mehr zu überwinden.
Die zweiwöchige Pause wollte Reichert nicht als Ausrede gelten lassen. "Ich hatte ja so viele Kranke, ich hätte letzte Woche gar nicht spielen können. Ein richtiges Training war deshalb auch nicht möglich", sagte er. Mit Max Hildenbrand droht derweil erneut ein wichtiger Spieler für das Derby auszufallen. Der Verteidiger bekam nach einem gegnerischen Check nicht mehr richtig Luft und musste ins Krankenhaus gebracht werden.
ESC Haßfurt: Mart. Hildenbrand, Köhler - Stahl, Max Hildenbrand, Marc. Hildenbrand, Marx, Rambacher, Bates, Breyer, Vollert - Thebus, Krapf, Kinereisch, Slivka, Lang, Franek, Hümmer, Dietrich, Rister / SR: Feist, Reitz / Zuschauer: 216 / Tore für Haßfurt: 1:0 (23.) Rister (Kinereisch), 2:1 (34.) Franek (Slivka) 5-4 / Strafzeiten: Haßfurt 16 / Straubing 24