H ier regiert der ACL. Dieser Ruf der Lichtenfelser Ringer-Fans ertönte in der AC-Halle in der Vergangenheit immer seltener. Denn in der Bundesliga regiert vor allem eins - das Geld. Und davon hat man in der kleinen Kreisstadt in Oberfranken nicht allzu viel. In den Hochburgen, meist angeschlossen an Leistungszentren des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), rollt der Rubel bzw. der Euro für überwiegend ausländische Athleten wesentlich großzügiger. Eine Zwei- wenn nicht sogar Drei-Klassen-Gesellschaft entstand, von der sich der AC Lichtenfels nun verabschiedete. Die Oberfranken gehörten zwar zum Oberhaus, waren hier aber nur eine graue Maus. Die Entscheidung, das Wettrüsten in der Bundesliga mit immer internationaleren und immer teuereren Kadern nicht mitzugehen, ist für die Zukunft des Vereins die absolut richtige.
Ironie der Geschichte: In den vergangenen Jahren trieben vor allem die ACL-Vereinsverantwortlichen in der Bundesliga und dem Verband das Financial Fair-play voran. Schwarz bezahlte Ringer, vorbei an Steuer und Sozialversicherung, gehörten - zumindest zum großen Teil - der Vergangenheit an. Doch die Professionalisierung der Liga überholte den ACL, bei dem vor allem Ehrenamtliche die Verantwortung tragen. Wenn die Etats der Spitzenklubs vier- bis fünfmal so hoch sind wie die der Kellerkinder, kann man von einem sportlichen Wettbewerb nur noch am Rande reden.
Ein Großteil der Probleme ist hausgemacht. Der DRB hat es in der Vergangenheit verpasst, dem Wildwuchs Einhalt zu gebieten.
Von daher ist die Entscheidung der Lichtenfelser weise, unten neu anzufangen.