Norbert Felgenhauer

Dass der TV Ebern nach der Winterpause meisterlich gespielt hat, ist keine Übertreibung. Dieses Urteil lässt sich mit Zahlen belegen. 24 Punkte holte die Mannschaft in den zwölf Begegnungen des Jahres 2016 in der Fußball-Bezirksliga Oberfranken West, genauso viele wie der Meister und Landesliga-Aufsteiger FC Lichtenfels. "Da haben wir uns von unserer besten Seite gezeigt, nicht nur von der Ergebnissen her, sondern auch durch die Art und Weise, wie wir gespielt haben", sagt der langjährige Eberner Spielleiter Michael Schnitzer. Nur zwei Ausrutscher gab es in dieser Phase: ein 1:4 beim abstiegsgefährdeten SV Memmelsdorf II und ein 1:2 beim Dritten SV Merkendorf.
Damit sind die Eberner die Nummer 1 im vorderen Tabellenmittelfeld. Zum Vierten SpVgg Ebing beträgt der Abstand acht Zähler, zum Meister FCL sind es 15. Und trotzdem: "Man stellt sich schon die Frage, was wäre wenn?", räumt der Spielleiter ein. Was wäre, wenn der TVE nicht am Ende des Jahres 2015 eine Schwächephase durchgemacht hätte, mit nur drei Punkten aus sieben Begegnungen? Wenn die Mannschaft beim SV Memmelsdorf II konzentrierter aufgetreten wäre? Wenn sie in Merkendorf den durchaus möglichen Punktgewinn auch geschafft hätte? Vielleicht wäre dann noch mehr möglich gewesen. Aber eines stellt Schnitzer klar: "Platz 5 ist eine hervorragende Leistung."
Und es sei eine Leistung der gesamten Truppe gewesen. "Die Handschrift des Trainers erkennt man immer mehr", sagt Schnitzer über die Arbeit von Johannes Fischer. Der Offensivspieler hat sein zweites Jahr als Spielertrainer sehr erfolgreich hinter sich gebracht und wird in Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Wolfgang Lachmann die Mannschaft auch in der kommenden Saison betreuen. "Auch wenn wir verletzungsbedingt mal auf einer Position austauschen mussten, hat jeder, der reinkam, seine Aufgabe zu 100 Prozent erfüllt", erklärt der Spielleiter, denn alle hätten die Struktur und das Spielsystem der Mannschaft mittlerweile verinnerlicht. Dass der TVE von größeren Verletzungen verschont geblieben ist, war sicherlich hilfreich. Nur Sven Kapell fiel länger aus und kämpft sich nun wieder heran. Verzichten mussten die Eberner zudem nach der Winterpause auf Timo Faßlrinner wegen eines Auslandsstudiums. Auch er, sagt Schnitzer, werde in der kommenden Saison aber wieder zur Verfügung stehen.
16, 17 Spieler habe der engere Kader der Ersten Mannschaft umfasst, "wir sind da sehr ausgeglichen besetzt gewesen und im Sturm mit den Fischer-Brüdern (Johannes und Simon, Anm. d. Red.), Sven Kapell und Jonas Ludewig auch sehr variabel."
Bis auf Moritz Musik, der aus Studiengründen zur DJK Bamberg wechselt, bleibt das Team nach jetzigem Stand zusammen. Verstärkung erhält es durch drei ehemalige TVEler: Jens Köhler (vom VfL Mürsbach), Dominik Hümmer (TSV Pfarrweisach) und Moritz Korn (TSV Burgpreppach). Aus der eigenen sehr erfolgreichen A-Jugend, die Meister der Kreisliga Coburg-Kronach wurde, rücken Julius Zettelmeier, Nils Hohmann, Florian Koch, Philipp Eichhorn, Jonathan Elflein und Winnie
Geuß zu den Herrenteams auf. Einige von ihnen haben schon in die Bezirksliga-Mannschaft hineingeschnuppert. "Damit wächst die Breite des Kaders und dadurch auch die Konkurrenz", erklärt der Spielleiter.


Lob für das Trainerteam

Daran, dass das Trainergespann mit diesem Kader auch in der kommenden Saison bestmöglich arbeiten wird, hat er keinen Zweifel: "Johannes Fischer lebt auch auf dem Platz eine tadellose Einstellung vor. Ihm ist kein Weg zu weit. Seinen Trainerschein hat er als Lehrgangsbester absolviert, er bereitet jedes Training und jedes Spiel akribisch vor, trainiert abwechslungsreich, erkennt Fehler sofort und arbeitet gezielt daran, und deshalb sehen die Spieler schon zu ihm auf." Wolfgang Lachmann sei mit seiner Erfahrung und seiner pädagogischen Ausbildung als Lehrer zudem ein wichtiger Ansprechpartner. "Gerade, als wir vor der Winterpause in ein Loch gefallen sind, war das Gold wert", weiß Schnitzer.
Die Eberner freuen sich demnach auf die neue Saison in der Bezirksliga, die der Spielleiter als die ideale Umgebung für seinen Verein sieht, "sie hat Niveau und bietet attraktiven Fußball". Das sehen wohl auch die Zuschauer so, denn mit rund 190 Besuchern im Schnitt pro Heimspiel zeigt sich Schnitzer sehr zufrieden. Als Ziel nennt er, den fünften Platz wieder zu erreichen, "wenn es mehr wird, nehmen wir es gerne mit, aber wenn mir heute jemand schriftlich geben würde, dass wir wieder Fünfter werden, würde ich es akzeptieren". Denn der Schritt ganz nach vorne ist schwierig. Vor allem in der Defensive standen alle vier Teams, die vor dem TV Ebern rangierten, deutlich stabiler. "Wir hatten nicht viele Schwächen, aber manchmal traten eben Unkonzentriertheiten auf, nach dem Motto, es wird schon laufen", sagt der Spielleiter. Und das gehe eben gegen Teams, die sehr erfahren oder individuell überdurchschnittlich gut besetzt sind, oder beides, oft schief. "Gerade da zeigt sich, dass wir diese unangenehmen Spieler, die die Ärmel hochkrempeln und zur Sache gehen, wenn es nicht so läuft, nicht haben. Manchmal sind wir einfach zu brav."