von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Ebensfeld — Das Rumpeln großer Sandsteinquader und aufwallende Staubwolken prägten diese Nacht: Am Samstagabend begann der Abbruch des historischen Ebensfelder Bahnhofs. Von zwei Seiten griffen die Bagger an und rückten den beiden historischen Gebäuden mit ihren Greifarmen zu Leibe, die der ICE-Strecke weichen müssen. Am Sonntagvormittag stand nur noch jeweils die Hälfte der Gebäude. Davor türmten sich die Sandsteinklötze wie Legosteine.
Für viele Ebensfelder war es am Samstagabend ein Muss, zum Bahnhof zu laufen, um einen letzten Blick auf das Gebäude zu werfen, das Mitte der 1840er-Jahre erbaut worden war. Am Straßenrand standen Familien mit Kindern, aber auch Gruppen junger Männer, die Bierflaschen in Händen hielten und das Ereignis heiter kommentierten. Der späte Zeitpunkt des Abrisses und die Kälte verhinderten wohl, dass noch mehr Ebensfelder zur Baustelle kamen.

Material säuberlich getrennt

Im grellen Scheinwerferlicht der beiden Bagger fielen die Mauern Stück für Stück. Ist das nicht der Kindheitstraum vieler Männer, mal einen Bahnhof wegzubaggern? Beim Beobachten der Arbeiten wird jedoch schnell klar: Was sich nach Kinderzimmer und Spielzeugparadies anhört, ist in Wirklichkeit ein harter Job. Die Arbeiter müssen freilich behutsam vorgehen, damit nicht alles auf einmal einstürzt. Und sie löschen die Staubwolken mit Wasser ab, das über Schläuche aus dem Hydranten gezapft wird. Das Material wird akribisch getrennt: Steine auf einen Haufen, Metall auf einen anderen. Das morsche Holz wird gebündelt und dann vom Greifer des Baggers wie eine Handvoll Salzletten zur Seite gehievt.
Die ganze Nacht hindurch wird gearbeitet. Der Zugverkehr ruht in dieser Zeit, und auch am Sonntag noch.

Arbeiten verliefen problemlos

Im fahlen Morgenlicht des Sonntagvormittags steht nur noch die Hälfte des Bahnhofs. Im Lauf des Tages wird er ganz verschwinden. Die Arbeiten verliefen problemlos. Am Sonntagabend waren die beiden Bahnhofsgebäude dann abgerissen, die knapp 170 Jahre an dieser Stelle gestanden hatten.
Für die Ebens felder, die am Sonntag interessiert zum Bahnhof spazierten, ergab sich ein ungewohnter Anblick. Wo seit Generationen der ortsbildprägende Sandsteinbau stand, klafft nun eine Lücke.
Der künftige Bahnhof von Ebensfeld wird diesen Namen wohl nicht mehr verdienen, denn geschaffen wird hier lediglich ein Haltepunkt.