Seit einigen Wochen ist die gebürtige Coburgerin Judith Rauscher, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Amerikanistik der Universität Bamberg, für einen Forschungsaufenthalt in den USA. Natürlich interessiert sich die Amerikanistin für die Präsidentschaftswahl dort und alle Themen, die im Zusammenhang mit dem US-Wahlkampf diskutiert werden. Der Lokalredaktion erzählt sie von ihren Einschätzungen im Bezug auf die Wahl sowie der "Election Night", die die Professur für Amerikanistik am 8. November an der Uni Bamberg veranstaltet.

Wie ist die Stimmung der US-Bürger momentan, so kurz vor der Wahl?
In den Vereinigten Staaten werden gerade viele Themen kontrovers diskutiert, sei es die amerikanische Syrienpolitik, die Eskalation von Polizeigewalt oder Sexismus in den Medien und der Gesellschaft an sich. Die Stimmung ist sehr angespannt. Das Land ist so gespalten wie lange nicht und Anhänger beider Parteien fürchten sich davor, was passieren könnte, falls die Kandidatin oder der Kandidat ihrer Wahl nicht gewinnt. Die vom Wahlkampf geschürten Zukunftssorgen plagen sogar die Allerkleinsten. Eine befreundete Grundschullehrerin aus Boston, die viele Kinder unterrichtet, deren Muttersprache Spanisch ist, sieht sich beispielsweise immer häufiger mit Schülern und Schülerinnen konfrontiert, die Angst davor haben, ihnen, ihren Familien oder Freunden könnte im Falle eines Trump-Sieges die Abschiebung drohen. Ich finde das schrecklich.

Welcher Kandidat liegt vorne? Republikaner Donald Trump oder Demokratin Hillary Clinton?
Vergangene Woche noch prognostizierten fast alle Experten und Umfragen einen Sieg für Hillary Clinton. Donald Trumps teilweise sehr bizarres Auftreten bei den Fernsehdebatten, seine beleidigenden Aussagen über Muslime, Latinos und Frauen sowie die jüngsten Belästigungsvorwürfe hatten ihm sowohl unter Wechselwählern, als auch bei einigen traditionell republikanischen Wählergruppen entscheidende Prozentpunkte gekostet. Seit Anfang dieser Woche scheint sich dieser Trend umzukehren. Nach der Wiederbelebung des E-Mail-Skandals um Hillary Clinton rechnen Umfragen Donald Trump plötzlich wieder realistische Chancen aus. Mit absoluter Sicherheit kann den Ausgang der Präsidentschaftswahl also gerade niemand voraussagen.

Wen möchten Sie ins Weiße Haus einziehen sehen?
Ganz klar Hillary Clinton. Auch an ihr lässt sich berechtigte Kritik üben, aber ehrlich gesagt möchte ich mir nicht einmal vorstellen, welche Folgen eine Trump-Präsidentschaft für die USA und die Welt hätte.
Wie genau wird die "Election Night" an der Uni Bamberg ablaufen?
Für die diesjährige Election Night hat die Bamberger Amerikanistik ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Nach einer Podiumsdiskussion zur Wahl mit Politik- bzw. KulturwissenschaftlerInnen aus Deutschland und den USA wird es zwei kurze Vorträge zur Wahlkampfkommunikation und zum Aufschwung des Populismus auf beiden Seiten des Atlantiks geben. Anschließend werden wir unser Bestes tun, die Zeit bis zur Verkündung des Ergebnisses mit Live-Musik, einem Election-Quiz und der Übertragung der US-Berichterstattung zur Wahl zu überbrücken.

Woher kommt die Idee, eine Wahlnacht zu veranstalten?
/>
Die Idee für eine Wahlnacht stammt von meiner Chefin, Prof. Dr. Christine Gerhardt, die vor ihrem Wechsel nach Bamberg für zwei Jahre das deutsch-amerikanische Institut in Freiburg geleitet hat, wo ähnliche Veranstaltungen eine lange Tradition haben. 2012, als es um die Wiederwahl von Präsident Obama ging, fand dann die erste Election Night an der Universität Bamberg statt. Die Veranstaltung war ein so großer Erfolg, dass wir auch dieses Jahr unbedingt wieder eine Wahlnacht organisieren wollten.

Worauf freuen Sie sich besonders bei der Wahlnacht?
Am meisten freue ich mich darauf, gemeinsam mit anderen politik- und amerikainteressierten Menschen eine Wahl zu verfolgen, die auf jeden Fall Geschichte schreiben wird. Alleine könnte ich das Warten auf die Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten wohl auch kaum ertragen. Denn nicht nur für die USA, sondern auch für uns hier in Deutschland steht am 8. November einiges auf dem Spiel.

Die Fragen stellte Anna Gartiser.