von unserem Redaktionsmitglied Ramona Popp

Oberwallenstadt — Ein See kann ein heilsamer Ort sein. Das hat Bärbel Orlishausen am eigenen Leib erfahren. 2003, als es ihr nicht so gut ging. Sie fühlte sich gestresst. Eine Freundin riet ihr, doch mal schwimmen zu gehen. Es war ein heißer Sommer, und die Lichtenfelserin nahm den Rat an. Sie entschied sich für den Baggersee in Oberwallenstadt, weil er die am nächsten gelegene Möglichkeit war. In ihrer Jugend gab es den See noch nicht, er ist erst durch den Kiesabbau entstanden. Als Kinder seien sie ins Flussbad gegangen, erinnert sich Bärbel Orlishausen, doch nun wollte sie nicht mehr so gern beim Schwimmen die Strömung des Mains spüren. Also zum See, den sie natürlich kannte, in dem sie zuvor aber nie geschwommen war. Es war ein Eintauchen in die Natur, "Erholung für die Seele", wie sie es heute beschreibt. Im Wasser schwimmt man auf Augenhöhe mit Haubentauchern, die ihre Jungen in den ersten Lebenswochen auf dem Rücken tragen, hört den markanten Schrei der Blesshühner, erlebt während der ganzen Badesaison, wie sich Tierfamilien entwickeln oder wie gelbe Schwertlilien und andere Blumen aufblühen.
Gut getan hat Bärbel Orlishausen in dieser Zeit auch die Begegnung mit einer Gruppe von Frauen aus Michelau, die mit dem Fahrrad dorthin kamen. "Man fand schnell Anschluss." Fast täglich nahm sie sich damals diese erbauliche Auszeit vom Alltag.
Inzwischen sind die Besuche am Baggersee seltener geworden, aber noch immer genießt die Lichtenfelserin das Bad dort, wenn es ihre Zeit erlaubt. "Vor allem abends, nach der Gartenarbeit, ist es eine willkommene Erfrischung", sagt sie. Sie nutzt dann gern die vor einigen Jahren von der Stadt eingerichtete Duschmöglichkeit mit warmem Wasser. Wenn der See mal kühler ist, bleibe sie weniger lange drin, sagt sie, aber um die 23 Grad hätte er im Sommer meistens. Ihn durchqueren würde die Schwimmerin aber nicht. Sie fühlt sich in Ufernähe sicherer, dreht dort aber durchaus eine große Runde, für die sie in ihrem Tempo etwa eine halbe Stunde benötigt. "Ich will ja auch ein Ziel haben", meint sie und lächelt.
Manches hat sich im Leben von Bärbel Orlishausen in den vergangenen Jahren verändert. Geblieben ist das Gefühl von Urlaub, wenn sie zum See fährt. Grund dafür ist wohl auch die Kulisse des nahen Campingplatzes.
Das weckt Erinnerungen an früher, als die Familie gemeinsam Ferien im Wohnwagen machte. Schöne Erinnerungen.