von unserer Mitarbeiterin 
Pauline Lindner

Baiersdorf — Schon vor einiger Zeit hat sich der Stadtrat Baiersdorf entschlossen, den Kindergarten an der Blumenstraße neu zu bauen. Das Gremium billigte seinerzeit einen Plan mit einem hohen energetischen Standard, mit Wärmepumpe, Lüftung und zusätzlicher Dämmung.
In der jüngsten Sitzung, die Zweite Bürgermeisterin Eva Ehrhardt-Odörfer (SPD) an Stelle des erkrankten Andreas Galster leitete, kamen Einsparmöglichkeiten zur Sprache. Ohne größere Diskussion wird auf eine Fassadengestaltung mit farbigen Fassadenplatten verzichtet. Ersparnis: 10 000 Euro. Ebenso wurden die automatischen Raffstores für rund 9000 Euro gestrichen. Werden die Glasflächen reduziert, insbesondere die bodentiefen Fenster verkleinert, gibt das ein Einsparpotenzial von 24 500 Euro, wenn eine 90 Zentimeter hohe Brüstung gebaut wird.
Der Punkt löste eine ausufernde Diskussion aus. Jürgen Maiss (FW) findet zwar große Glasflächen schön, hält sie trotzdem für unpraktisch. Erika Baier beschrieb es so: "Eine Brüstung ist besser, als wenn immer einer vor der Scheibe steht oder die Kinder hinpatschen." Zehn von 17 Stimmberechtigten schlossen sich dieser Meinung an. Aber auch die Höhe der Brüstung musste ausgiebig besprochen werden. Letztlich sprachen sich elf Stadträte für 60 statt 90 Zentimeter aus.
Macht die Verringerung des energetischen Standards Sinn? Zur Klärung dieser Frage hatte der Rat die Energieberaterin Jutta Maria Betz eingeschaltet. Sie verglich vier Varianten mit dem gesetzlichen Mindeststandard. Dieser kostet 125 000 Euro weniger als die schon vom Rat beschlossene Variante. Zusätzliche Dämmung und Dreifachverglasung bedeuten einen Aufschlag von rund 26 000 Euro und eine entsprechend längere Amortisationszeit. Die Wärmepumpe schlägt mit 14 000 Euro zu Buche. 50 000 Euro mehr kostet die dritte Variante inklusive einer automatischen Lüftung, aber ohne Wärmepumpe.
Johann Mörixbauer (SPD) fragte die Fachfrau, welche Variante sie als Bauherrin wählen würde. Sie plädierte für die ursprüngliche Fassung, mit der Einschränkung: "Wenn eine Lüftung gewünscht ist." Aber Stoßlüften über die Fenster müsse gewährleistet sein. "Mein Tenor lautet: Das Gebäude energetisch so gut wie möglich zu bauen", fand Jutta Betz.
Bedenken gegen eine Lüftung kamen vor allem von weiblichen Ratsmitgliedern. In der Grundschule und der Jahnhalle gebe es keine gleichmäßige Raumwärme und deutliche Geräusche. Norbert Siewertsen (FWG) erinnerte an die "hochgesteckten Ziele, Energie einzusparen".
Karl-Heinz Roll (ÖWG) reagierte heftig, ob der vielen Bedenken. "Jahrelang Schönwetterreden und jetzt specken wir ab. Wir sollten nicht über die Steinzeit reden, wenn wir Vorbildgemeinde sein wollen." Schließlich votierten zehn der 18 Stadträte für die Beibehaltung der alten Vorgaben.