Die Stimmung war aufgeladen in der ersten Bürgerversammlung in den Pretzfelder Teilorten. Am Montagabend trafen sich Bürger aus Hetzelsdorf und Poppendorf im Hetzelsdorfer Feuerwehrhaus und trugen ihren Unmut deutlich vor.
Zuvor hatte Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökologen) ihren Jahresbericht abgegeben. Sie trug unter anderem vor, dass im vergangenen Jahr das Breitbandnetz im gesamten Markt Pretzfeld ausgebaut worden ist. "Mit 50 MBit sind im Moment fast alle gut versorgt. Wer das Angebot bucht, kann komfortabel surfen", sagte Stark.
Doch die Bürger waren mehr daran interessiert, zu erfahren, ob denn die Schäden, die durch den Ausbau entstanden waren, bald bereinigt werden. "Da sind beim Wegebau noch Mängel offen. Das Landratsamt hat auch noch nicht abgenommen. Ich treffe mich am 14. Februar mit dem Bauleiter", erklärte Rose Stark - doch das reichte den Anwesenden nicht. Einer der Bürger forderte die Bürgermeisterin immer wieder auf, die Bilder, die sie von den Mängeln gemacht hatte, bei dieser Versammlung zu präsentieren.


Dokumentierte Mängel

"Ich mache das so, wie es üblich ist", entgegnete Rose Stark. Die Mängel werde sie direkt mit dem Bauleiter anschauen, sie werden dokumentiert und müssen behoben werden. "Der Weg muss wieder so hergestellt werden, wie er vorher war", trug die Bürgermeisterin vor.
Doch daran hatten einige Bürger Zweifel. "Poppendorf kommt immer mit Forderungen. Aber keiner gibt Grund ab oder will etwas zahlen", schimpfte Rose Stark. Das veranlasste die Anwesenden laut zu werden. Einer der Bürger gab an, im Rahmen der früheren Flurbereinigung zehn Prozent Grund abgegeben zu haben. Man habe zum Beispiel am Weg bei der Hetzelsdorfer Obstanlage vor zehn Jahren den Graben zugemacht. Jetzt laufe Wasser von der Obstanlage in den Unterbau der Straße und beschädige diese. Hier müsse etwas unternommen werden.
Ein anderer trug vor, dass er mit seinem Traktor auf einem dieser Wege unterwegs gewesen und von einem Mountainbiker beschimpft worden war.
"Wir sollen zahlen und uns auch noch blöd anreden lassen", meinte ein Teilnehmer. Auch sei Hundekot ein Problem auf den Wegen und Parkplätzen. Rose Stark empfahl, nicht auf irgendwelche Radfahrer einzuprügeln. Sie zeigte Verständnis für die Probleme, musste aber zugeben, dass die Gemeinde in manchen Fällen überhaupt keine Handhabe habe.


Rettung durch Hechtsprung

Der örtliche Zeitungsausträger beschwerte sich, dass er nur mittels eines Hechtsprungs dem Schneeräumdienst entkommen konnte.
Rose Stark bat, sich in einem solchen Fall gleich bei ihr zu melden, damit sie dem nachgehen könne. Einer der Bürger fragte nach, weshalb manche Themen aus der Versammlung 2016 anschließend nicht im Marktgemeinderat bearbeitet worden sind. Es stellte sich heraus, dass dies nur auf Antrag geschieht. Deshalb stellte einer der Anwesenden den Antrag, dass eine bestimmte verpachtete, gemeindliche Fläche zweimal im Jahr gemäht werden solle. Diese Fläche hatte die Gemeinde erworben, weil der Landkreis eine Straße bauen wollte, was nicht geschah. Deshalb war sie verpachtet worden. Der Antrag wurde von der Mehrheit der Anwesenden unterstützt. "Das ist jetzt ein Bürgerantrag, der in den Gemeinderat geht. Dort wird darüber entschieden. Und dann müsste man gerichtlich gegen den Pächter vorgehen", erklärte die Bürgermeisterin.