Es ist ein bisher einmaliges Projekt: 24 Stunden lang waren Aktive der Fotogruppe Stadtsteinach unterwegs, um die vielen Facetten der ehemaligen Kreisstadt und ihrer Umgebung festzuhalten. Dabei ging es nicht um eine möglichst naturalistische Abbildung des Gesehenen: Jeder Teilnehmer war bemüht, in den entstandenen Werken seine persönliche Sicht der Dinge auszudrücken. Ab dem 12. November sind die Ergebnisse in einer Ausstellung zu sehen, die drei Monate lang im Stadtsteinacher Rathaus gezeigt wird.
Fotografie ist nie pures Abbild, sondern immer Interpretation. Diesen Leitsatz anspruchsvoller Lichtbildner machten sich die Aktiven der Fotogruppe zu eigen, als sie sich am 27. und 28. August ans Werk machten. Schnell war klar, dass dies keine leichte Aufgabe sein würde. Schließlich galt es, die Dinge höchst individuell abzulichten.


Durch die Glaskugel

Unreflektiert an eine solch große Aufgabe heranzugehen, wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Also legte sich jeder der elf Teilnehmer ein eigenes Konzept zurecht. So interpretierte beispielsweise Heiko Fichtner seine Heimatstadt dadurch, dass er markante Punkte oder Gebäude durch eine Glaskugel hindurch abbildete. Dabei ergaben sich sehr interessante Aspekte: Zum einen stand durch die optisch-pysikalischen Getzmäßigkeiten alles Kopf, zum anderen ergaben sich durch die Brechungen und Verzerrungen im Glas interessante Effekte.
Gaststarter Mike Schwalbach aus Bayreuth, zugleich Vorsitzender des FAC Mainleus-Kulmbach, versuchte sich an groß angelegten Panoramen und begab sich dazu auf die Höhenzüge des Frankenwalds.
Egid Orth aus Thurnau und der Kulmbacher Helmut Konrad bildeten ein Team und machten die Umgebung der Burgruine Nordeck unsicher. Sie fotografierten zu nächtlicher Stunde, um dadurch die besondere Stimmung einzufangen. Ihre Motivation war so groß, dass sie sogar vor Ort übernachteten, um jede sich bietende Gelegenheit auszuschöpfen.
Alles in allem stand die Suche nach dem Besonderen im Fokus. Und so organisierte eine kleine Gruppe um Günter Nietert, Carmen Wagner, Uwe Thierauf und Bianca Ullrich den Aufstieg auf den Turm der Stadtsteinacher Stadtpfarrkirche St. Michael. Rund 40 Meter über Grund ergaben sich völlig neue Sichtweisen und Perspektiven des Stadtkerns. Mesner Andreas Dremer hatte den Gästen in Absprache mit dem Pfarrer die Turm-Tür geöffnet.


Exotische Erscheinung

Die meisten Einheimischen staunten nicht schlecht, als die Fotografen in Grüppchen durch die Straßen zogen. Für sie waren die Leute mit den vielen Kameras eine nicht alltägliche, exotische Erscheinung.
Die Werke der Fotografen sind ab dem 12. November im Stadtsteinacher Rathaus zu sehen. Um 17 Uhr wird dort die Ausstellung eröffnet. Zur Vernissage sind nicht nur die Teilnehmer eingeladen, sondern jeder, der sich für das Projekt interessiert.


Nachbearbeitung am Computer

Bis dahin ist aber noch einiges an Arbeit zu erledigen. Denn die Fotos werden nicht "out-of-camera" verwendet - also so, wie sie auf der Speicherkarte abgelegt sind. Jetzt naht die Zeit der Nachbearbeitung am Computer, mit der man jedem Bild eine besondere kreative Note und ein individuelles Gepräge verleihen kann.
Genau dies ist im Sinne des Initiators der Aktion: Günter Nietert. Er hatte den Anstoß geliefert und freut sich auf die Ergebnisse. "Ich wollte kein normales Niveau, sondern ein künstlerisches Experiment mit einem möglichst breiten Spektrum", sagt er. Die Aktion regte er an in Anlehnung an ein anderes Projekt, als Tausende von Fotografen innerhalb von 24 Stunden weltweit zur Kamera griffen. Diese Grundidee wurde auf Stadtsteinacher Verhältnisse heruntergebrochen.
Mit offensichtlichem Erfolg: Trotz der vielen Arbeit und der anstrengenden Aufgabe, bei subtropischen Temperaturen umherzuziehen, sind sich alle Fotografen in einem einig: Das Stadtsteinach-Projekt hat sehr viel Spaß gemacht und war zudem ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Fotografieren ist also weit mehr, als einfach nur auf den Auslöser zu drücken.... red