Großgressingen — "Ein kostbares Kleinod, ein wertvolles Denkmal, noch mehr aber ein Ort der Gottesverehrung", sagte Erzbischof Ludwig Schick über die Kirche Sankt Rochus oberhalb von Großgressingen (Gemeinde Ebrach). Als Abschluss der umfassenden Sanierung konnte der Bamberger Oberhirte zum 400-jährigen Kirchweihjubiläum des Gotteshauses einen neuen Altar und Ambo weihen. Vor 400 Jahren wurden nach einer großen Pest-Epidemie oberhalb des Ortes neben dem damaligen Siechenhaus die Sankt Rochus-Kirche und ein umliegender Friedhof errichtet. Am 15. August 1614 wurde das Kirchlein, das heute der Filialgemeinde von Ebrach als Gotteshaus dient, geweiht.
Nicht nur für die Pfarrei Ebrach und die Filialkirchengemeinde Großgressingen, sondern für Gläubige aus der ganzen Umgebung war die Altarweihe im Steigerwald ein großes Fest. Dekan Albert Müller konnte dazu - neben dem Erzbischof - eine Reihe von Mitbrüdern willkommen heißen: aus dem Kloster Münsterschwarzach Abt Michael Reepen und Pater Franziskus Büll, seine Vorgänger im Amt, den Stadtdekan Hubertus Förster aus Nürnberg und Geistlichen Rat Hermann Kommnick. Auch Pfarrer Leo Meyer, der letzte Priester, der in Sankt Rochus Primiz gefeiert hatte, nahm an der Feier teil. Erzbischof Schick wurde von Domvikar Dieter Jung begleitet. "Gehet an die Ränder" zitierte Pfarrer Müller bei der Begrüßung des Erzbischofs aus der Bibel. "Wir sind zwar am Rand der Erzdiözese, aber nicht im christlichen Niemandsland, sondern im schönen Steigerwald."
Altar und Ambo wurden nach dem Entwurf des Diözesanarchitekten Stefan Bergmann in Tombak, einer speziellen Bronzelegierung von der Firma Vogel, Eckenhaid, ausgeführt. Obschon ein modernes Werk, fügen sie sich in ihrer transparenten Leichtigkeit gut in die barocke Innenausstattung von Sankt Rochus ein. Eine "Möbius-Schleife" gibt dem Altartisch Bewegung. Bergmann spricht damit die Ewigkeitsthematik, den ewigen Bund an und nimmt gleichzeitig die Drehung der barocken Säulen des Hochaltars auf.
Noch mehr Symbolik liegt in der Positionierung des Altars: Nicht in der Mitte des Chores, sondern seitlich versetzt wurde er angeordnet. Ambo und Altar stehen somit gemeinsam auf der Hauptachse der Kirche und vermitteln dadurch die Einheit von Wort und Eucharistie. Eine wahrhaft "festliche Tafel, an der sich die Tischgenossen Christi freudig versammeln", wie es im Weihegebet heißt. Eine ergreifende Symbolik, die bis auf die Zeit der ersten Christen zurückgeht, beinhaltet die Altarweihe. Sie beginnt mit der Segnung des Wassers, mit dem der Altar besprengt wird. Es folgen die Anrufung der Heiligen, das Salben mit Chrisam und das Entzünden der fünf Feuer auf dem Altar. Symbol der Wunden Christi, sollen sie für immer auf dem Altartisch sichtbar bleiben.
Christsein sei kein Notnagel, für das, was Menschen selbst nicht vermögen. Es sei auch kein Rettungsanker, wenn die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen, sondern ein Lebenskonzept, betonte Erzbischof Schick in seiner Predigt. Das Leben des heiligen Rochus sei dafür ein Beispiel. Am Altar sollten sich die Menschen ändern.

Menschen des Friedens

Christsein bedeute, ein alternatives Leben zu führen. Das habe nichts mit Exaltiertem oder Unrealistischem zu tun. Mit beiden Füßen im Leben stehend, müsse der Christ ein Mensch sein, der alle Menschen achtet, sie gleich behandelt und sich für das Wohl aller einsetzt. Christen seien Promotoren für Gerechtigkeit, Menschen des Friedens, der Gemeinschaft und Versöhnung, die jedem Nächsten das Brot gönnen, Kriege und Rassismus verachten, die Ausgleich und Gleichheit auf allen Ebenen - auch in der Politik - pflegen. Um dieses Lebenskonzept immer wieder zu erneuern, sei dieser Altar errichtet worden.
"Wir brauchen Christen in der Welt, die dieses alternative Leben führen", so Schick. Es gebe viel zu viel Materialismus, zu viel Konzentration auf Hab und Gut, auf immer höher und schneller. "Werden wir Christen Menschen des Ausgleichs, der Einheit, des Friedens, des Gemeinwohls, der Güte und Fürsorge für alle", lautete sein Appell.
Im Anschluss an den Gottesdienst begrüßte Bürgermeister Max Schneider die vielen Gäste bei den Klängen der Blaskapelle Ebrach-Großgressingen im angrenzenden Schulhof. Am Nachmittag gab es den beliebten Kirchweihumzug und am Abend Musik zur Unterhaltung. Den krönenden Abschluss bildete eine "Komplet in Feuer", ein Feuerwerk, das Pfarrer Hans Lyer zu den Klängen der Orgel inszenierte. Evi Seeger