von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Altenkunstadt/Mainleus — Wenn Regisseur Peter Wagner über das neue Stück der Danndorfer Theatergruppe "Die Brandstifter" zu philosophieren beginnt, dann mutiert er zu einem Metzger. "Der Presssack ist eine Wurstspezialität, die zu Franken einfach dazugehört. Es gibt ihn in der Blase, im Kunst- oder Naturdarm, geräuchert oder ungeräuchert. Kurzum: Er ist so vielschichtig wie der Humor unseres neuen Dreiakters ,Schmachtls Bresssagg-Fest'."
Steigen tut die Wurst-Party, die die Lachmuskeln gehörig strapaziert, erstmals am Samstag, 2. Mai, um 19.30 Uhr im "Fränkischen Hof" in Mainleus. Hierzu wird sich der Saal der Gaststätte in einen Fleischereifachbetrieb verwandeln.
Eigentlich gibt es im Mainleuser Ortsteil Danndorf keinen Schlachter, doch Peter Wagner erfindet kurzerhand eine Metzgerdynastie: die Schmachtls.
Wie zum Beweis kramt er Gemälde und Schnappschüsse von anno dazumal aus seiner Aktentasche. Ein alter Stich aus dem 16. Jahrhundert ("Schmachtls Ross- und Viehschlachterei"), eine historische Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Ersten Weltkrieg und viele weitere Bilder summieren sich zu einer stattlichen Ahnengalerie, die eine Wand neben den Besucherreihen schmücken wird. "Man kann in der Pause an den Bildern entlangflanieren und entdeckt dabei vielleicht sogar ein Schauspielergesicht, das ich in ein Foto hineinmontiert habe", erzählt Wagner. Auch wenn das Stück in der Jetzt-Zeit spielt, das Bühnenbild atmet das Flair längst vergangener Zeiten. Dafür sorgt das historische Mobiliar, das unter anderem mit einer uralten Waage und eine ebenso alten Kasse aufwartet. Das Stück aus der Feder von Detlef E. König wiederum tischt dem Zuhörer Humor in den unterschiedlichsten Facetten auf. "Die Palette reicht von Slapstickeinlagen über intelligentem Wortwitz bis hin zu schwarzem Humor", zählt Wagner auf. Darüber hinaus werde die "Woschderei Schmachtl" zu einem Spiegel der Gesellschaft, worüber sich der eingefleischte Theaterregisseur besonders freut: "Der schönste Humor ist für mich der, der den Leuten aufs Maul schaut und das, was sie tun, leicht überzogen darstellt."

Italiener statt Sachse

Wagner wäre nicht Wagner, wenn er sich nicht wieder die künstlerische Freiheit nähme, das Stück nach seinem Gusto zu bearbeiten. Aus dem sächsischen Gesellen machte er kurzerhand einen italienischen. Und das aus gutem Grund, wie der Darsteller desselbigen, Michael Schmidt erläutert: "Der Geselle in Königs Stück spricht breitesten sächsischen Dialekt. Das hätte keiner im Publikum verstanden." So wurde Schmidt ein weiteres Mal zu einem Italiener. Bereits vor ein paar Jahren verkörperte er in der Komödie "Hollywood in Danndorf" einen tollpatschigen italienischen Kellner. Diesmal spielt er einen Gigolo, der meint, alle Frauen um den Finger wickeln zu können.
Im Stück wird auch echter Presssack serviert. "Die Schauspieler genehmigen sich ab und an einen Bissen", verrät Wagner, der leidenschaftlich gerne die Presswurst isst. Wird es für die Zuschauer Brotzeitteller mit Presssack geben? "Das wäre eine tolle Idee, die sich in einem bestuhlten Saal aber schlecht realisieren lässt. Diese Wurstsorte muss man in Ruhe und mit Muße an einem Tisch genießen."
Für durchführbar hält er eine ganz andere Idee: "Im zweiten Akt spekulieren die Schauspieler über die Herkunft des Fleisches. Stammt es von einem Hund oder gar von einem Menschen? Dazu könnte man den Besuchern in der ersten Reihe Presssack-Häppchen reichen und ihre Reaktion testen."