Gerold Snater

Sie hat mit Anouk nicht nur einen seltenen Vornamen, sondern als Sattlermeisterin auch einen nicht alltäglichen Beruf. Und diesen übt sie seit 2008 in Königsberg aus. Seit ein paar Wochen jetzt in ihrer neuen Werkstatt in der Kirchgasse. Dort prangt über der Front mit einem großen Fenster, das jedem Passanten Einblick in ihre Arbeit gewährt, ein großes Schild mit der Aufschrift " Die Sattlerei".
Frau "Wächter", so heißt sie mit ihrem Nachnamen, hat sich ihren Traumberuf erfüllt. "Es war für mich wie eine göttliche Eingebung. Schon in jungen Jahren habe ich immer daran gedacht, so etwas zu machen". Pferde haben es ihr schon immer angetan. Geritten ist sie schon immer gern. Heute hat sie selbst fünf Pferde.


Die Schule abgebrochen

Um ihr Traumziel zu verwirklichen, war ihr fast jeder Weg recht. So hat sie gegen den Protest ihrer Mutter die Schule abgebrochen und auf das Abitur verzichtet und lieber bei der Sattlerei Lindner in Peißenberg eine Lehre angetreten. Dort hat sie ihr Grundwissen für ihren Beruf, der ihr heute noch täglich viel Spaß macht, erlernt. Ein Jahr hat sie auch beim Zirkus Krone gearbeitet.
In ihrer kleinen Werkstatt in Königsberg repariert sie an Lederwaren alles, was andere nicht mehr anpacken (oder wenn andere nicht mehr weiter wissen).
Aber neue Sachen bringen ihr mehr Spaß. Am meisten macht es ihr Freude, wenn es darum geht, einen Pferdesattel zu entwerfen. Sie entwickelt die Prototypen und liefert die Schnittmuster für das Leder für Großhandelsfirmen. Anouk Wächter betreibt eine der wenigen Sattlereien, die es noch gibt. Damit passt sie hervorragend in die Königsberger Altstadt, in der sie sich wohl fühlt. Das zeigt sich auch darin, dass sie ihr Wohnhaus, das nur wenige Meter von der Werkstatt entfernt steht, mit viel Liebe und Sachverstand restauriert hat. Die historische Stadt ist mit dem traditionsreichen Handwerk um eine Attraktion reicher.